22. November 2017

Streitfrage: Können wir uns Pazifismus noch leisten?

Quelle: idea.de

Foto: Gabi Eder/pixelio.de

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Wetzlar (idea) – Auf Zustimmung und Kritik sind Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck gestoßen, im Kampf für Menschenrechte „auch zu den Waffen zu greifen“.

Er forderte mehr internationales Engagement von Deutschland. Das evangelische Wochenmagazin ideaSpektrum (Wetzlar) nimmt die Debatte zum Anlass, in einem „Pro und Kontra“ zu fragen: „Können wir uns Pazifismus noch leisten?“

Die Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, Margot Käßmann (Berlin), will sich „nicht auf die Logik des Krieges einlassen“. Maßstäbe für Christen seien Bibelstellen wie „Selig sind, die Frieden stiften“ (Matthäus 5,9) und „Steck das Schwert an seinen Ort“ (Matthäus 26,52). Die frühere EKD-Ratsvorsitzende: „Krieg hat immer noch Hass gesät.“ Sie findet es traurig, dass Milliarden von Euro investiert werden, um Waffen herzustellen. Deutschland sei der drittgrößte Waffenexporteur. Käßmann: „Nach Syrien, nach Libyen wurde geliefert, heute nach Saudi-Arabien und Katar – Staaten, die wahrhaftig nicht für eine blühende demokratische Kultur bekannt sind. Gleichzeitig beklagen wir Kriege, als sei es eine Überraschung, dass die Waffen auch angewendet werden.“ Sie fragt sich, weshalb die Rüstungsmilliarden nicht in Frieden investieren werden: „Warum können wir Menschen nicht helfen, der bitteren Armut zu entkommen – das wäre Kriegsprävention!“ Dass sie für ihre Ansicht belächelt werde, stört sie nicht: „Als Christen sind wir das ohnehin gewohnt.“

Anderer Ansicht ist der jüdische Publizist Henryk M. Broder (Berlin). Zwar sei der Pazifismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen, doch er habe die Abwesenheit von Krieg im eigenen Haus zur Voraussetzung. Er könne sich nur dort ungehindert entfalten, „wo die Wehrpflicht und alles, was mit ihr zusammenhängt, abgeschafft wurde“. Broder: [Weiterlesen]