21. August 2017

„Auch ich habe ein Recht auf Meinungsfreiheit“

Quelle: jungefreiheit.de

Sven Heibel: Kritik an der Homolobby? Foto: privat

Sven Heibel: Kritik an der Homolobby? Foto: privat

Ein kurzer Beitrag von Sven Heibel sorgte in den vergangenen Tagen deutschlandweit für Aufsehen. Der CDU-Bürgermeister von Herschbach bedauerte die Streichung des Paragraphen 175 aus dem Strafgesetzbuch. Heibel bekam schnell den Stempel der „Schwulenfeindlichkeit“ aufgedrückt.

Dabei verschwiegen seine Kritiker, daß der Paragraph 1994 nur noch homosexuelle Handlungen von Männern mit Jugendlichen bestrafte. Am Ende trat Heibel aus der CDU aus. Die Junge Union hatte ihn zuvor aus dem Landesvorstand geworfen. Im Interview mit der JUNGEN FREIHEIT spricht er nun über Morddrohungen, seine Einstellung zur Homosexualität und die CDU.

Herr Heibel, in der vergangenen Woche haben Sie die Abschaffung des Paragraphen 175 bedauert, der bis 1994 homosexuelle Handlungen mit Minderjährigen unter Strafe stellte. Sind Sie schwulenfeindlich?

Heibel: Schwulenfeindlich bin ich natürlich nicht. Auch Homosexuelle dürfen sich frei entfalten und ihre Meinung äußern. Ich habe allerdings etwas gegen die sogenannte Homolobby. Nicht alles, was aus dieser Richtung kommt, muß unterstützt werden, und ich denke, der Staat sollte die Homosexualität nicht noch fördern und ein Stück weit glorifizieren.

„Mich haben viele Drohungen erreicht“

Würden Sie den Beitrag heute noch einmal so auf ihrer Facebook-Seite posten?

Heibel: Den Beitrag würde ich so heute nicht nochmal auf meiner Facebook-Seite veröffentlichen, allerdings bestehe ich nach wie vor auf meine Meinungsfreiheit und werde mich auch künftig kritisch gegenüber der Homolobby äußern, wenn mir bestimmte Dinge nicht passen.

Welche Reaktionen haben Ihre Äußerungen hervorgerufen? Was für Zuschriften haben Sie danach erhalten?

Heibel: Meine Äußerungen haben sehr viele und sehr heftige Reaktionen hervorgerufen. Mich haben viele hunderte Nachrichten erreicht. Viele Beleidigungen und Bedrohungen gegen meine Person. Aber es gab auch sehr zahlreiche positive Unterstützer-Nachrichten, auch aus meiner eigenen Partei.

Viele Nachrichten aus der Ecke der Homolobbyisten haben mich erreicht, mit unglaublichen Behauptungen und Beleidigungen. Es zeigt eben wieder einmal mehr, daß für diese Leute die Meinungsfreiheit kein Wert ist. Es sei denn, man vertritt ihre eigenen Auffassungen. Mein Eindruck ist, daß die von mir vertretene Meinung bis tief in die Mitte der Gesellschaft reicht. Wie sagt man so schön: die schweigende Mehrheit.

„Das C hat meiner Meinung nach in der CDU nichts mehr zu suchen“

Politiker von Grünen, SPD, FDP und Linkspartei haben empört auf Ihre Äußerungen reagiert. Wie hat sich Ihre eigene Partei in dem Fall verhalten?

Heibel: Meine eigene Partei hat aus meiner Sicht zu schnell und zu uninformiert reagiert. Zum großen Teil, dies gilt im besonderen für die Junge Union Rheinland-Pfalz, aber auch für meinen eigenen Gemeindeverband, sind die handelnden Personen auf den „Zug der Entrüstung“ aufgesprungen. Zum Teil auch sehr gerne, ohne sich auch nur ansatzweise mit der Sache auseinanderzusetzen.

Es konnte bei den folgenden Distanzierungen vieler Personen kein Superlativ zu groß sein. Dies hat mich sehr verwundert. Viele Personen taten dies auch aus Gründen der eigenen Profilierung, sollte ihr Handeln doch eine gewisse „Stärke“ und Durchsetzungsvermögen zeigen. Ich bin von weiten Teilen der Partei maßlos enttäuscht. Auch in der CDU ist die Lobby für Homosexualität größer als das Einstehen für die Meinungsfreiheit, und das in einer christlichen Partei. Das ist ein Armutszeugnis. Das „C“ hat meiner Meinung nach in der „CDU“ nichts mehr verloren.

Wurde Druck auf Sie ausgeübt, die Partei und die Junge Union zu verlassen?

Heibel: Ja. Ich bekam zahlreiche Anrufe. In solchen Zeiten wird lieber telefoniert, als daß schriftliche Nachrichten hinterlassen werden. Einigen kamen meine Äußerungen sicherlich gelegen, um eine weitere Person, die sich dem konservativen Flügel verbunden fühlt, aus der Partei zu entfernen. Der Druck wurde irgendwann so groß, daß ich zum Austritt gezwungen war. Besonders nach dem Schnellverfahren der Jungen Union Rheinland-Pfalz, ohne Rechtsgrundlage in der Satzung und unserem Verbandsbürgermeister aus Wallmerod, der unseren Vorstand und unsere Fraktion auf „Linie“ brachte.

„Viele Bürger haben mich unterstützt“

Derzeit sind Sie Bürgermeister der Gemeinde Herschbach. Wollen Sie das Amt behalten oder gibt es Bestrebungen, Sie abzusetzen?

Heibel: Es gab vereinzelte Nachrichten, die meinen Rücktritt fordern. Ich bin aber ohnehin nur noch bis Anfang Juli im Amt. Bei der Kreisverwaltung Westerwald läuft eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen mich. Dem sehe ich aber mit größter Gelassenheit entgegen.

Wie haben die Bürger vor Ort reagiert?

Heibel: Viele Bürger vor Ort haben mich unterstützt, viele haben auch konkret ihre Hilfe angeboten. Aber natürlich gibt es auch kritische Meinungen, aber das gehört in einer Demokratie eben dazu.

Wie sieht Ihre politische Zukunft aus? Wollen Sie in der Politik bleiben?

Heibel: Zunächst bleibe ich ein zutiefst politischer Mensch, nur derzeit ohne politische Heimat. Ich werde die nächsten Tage und Wochen nutzen, um etwas Abstand zu gewinnen, und dann werde ich mich sicherlich auch irgendwann wieder politisch engagieren. Wie sagte Uli Hoeneß auf der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Bayern im März: „Das war es noch nicht.“ (ho)