18. Oktober 2017

„Heilige haben keinen besonders heißen Draht zu Gott“

Quelle: idea.de

Michael Kotsch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen und des Bibelbundes. Foto: Thomas Schneider/agwelt

Michael Kotsch, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen und des Bibelbundes. Foto: Thomas Schneider/agwelt

Bad Meinberg (idea) – „Heilige haben keinen besonders heißen Draht zu Gott.“ Das erklärte der Vorsitzende des Bibelbundes, der evangelische Theologe Michael Kotsch (Bad Meinberg), anlässlich der Heiligsprechung der beiden Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II.

Wie Kotsch am 28. April auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) sagte, wird in der Heiligen Schrift nicht zwischen „normalen Christen“ und „Heiligen“ unterschieden: „Die Bibel kennt kein Zwei-Klassen-Christsein.“ Es gebe im Himmel „keine irgendwie geartete Vetternwirtschaft, sodass Gott mehr auf die Bitten seiner ‚Lieblinge’ hört als auf die Anliegen normaler Christen“. Zudem sei nirgends in der biblischen Überlieferung ein Gremium installiert, das Personen eine besondere Position als „Heilige“ zusprechen könne.

Zweifellos befänden sich unter den von der katholischen Kirche benannten „Heiligen“ engagierte, vorbildliche Christen, die nichts dafür könnten, dass man sie nach ihrem Tod zu kirchlichen Zwecken instrumentalisiert habe. Manchmal könne man sich von Aussagen dieser Personen auch anregen und ermutigen lassen. Im Gegensatz zu den Lehren der römisch-katholischen Kirche beschreibe das Neue Testament die Heiligen aber als ganz normale Gemeindemitglieder, die sich nicht durch besondere Taten oder ein außergewöhnliches Leben auszeichneten. Sie seien heilig, weil sie [Weiterlesen]