18. Oktober 2017

Erdogan attackiert Bundespräsident Gauck

Quelle: idea.de

Bundespräsident Joachim Gauck. Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Bundespräsident Joachim Gauck. Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

ANKARA. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan ist scharf mit Bundespräsident Joachim Gauck ins Gericht gegangen. „Ich habe dem deutschen Staatspräsidenten gesagt, daß wir seine Einmischung in die inneren Angelegenheiten unseres Landes niemals dulden werden“, sagte Erdoğan am Dienstag nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

Hintergrund ist Gaucks Kritik an der Menschenrechtssituation in der Türkei. „So frage ich mich heute und hier, ob die Unabhängigkeit der Justiz noch gesichert ist, wenn die Regierung unliebsame Staatsanwälte und Polizisten in großer Zahl versetzt und sie so daran hindert, Mißstände ohne Ansehen der Person aufzudecken“, warnte Gauck am Montag vor Studenten der Technischen Universität in Ankara.

Hinweis auf Gaucks christlichen Glauben

Erdoğan warf Gauck vor, er habe Dinge angesprochen, die ihm in Deutschland eingeflüstert worden seien. „Der deutsche Staatspräsident denkt wohl, er sei immer noch ein Pastor.“ Aus diesem Verständnis heraus schaue er auf die Dinge. „Das geht nicht. Das ist häßlich“, empörte sich Erdogan.

Der Türkei hatte sich in den vergangenen Jahren selbst immer wieder in die inneren Angelegenheiten der Bundesrepublik eingemischt. Mehrfach forderten türkische Politiker die Entsendung türkischer Ermittler in Fällen, bei denen von Türken bewohnte Häuser in Deutschland abbrannten und kritisierten die angebliche Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. (ho)