13. Dezember 2017

„sexuelle Vielfalt“ nicht alternativlos

Quelle: jungefreiheit.de

Foto: Thommy Weiss/pixelio.de

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Über 100.000 Bürger Baden-Württembergs haben eine Petition unterzeichnet, die sich gegen den Plan der grün-roten Landesregierung wendet, „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ fächerübergreifend in den Lehrplan aufzunehmen. Das ist bemerkenswert, weil die Initiative sich auf keine Partei oder Großorganisation stützt. Bemerkenswert ist auch, daß die katholische und sogar die evangelische Kirche, die üblicherweise wie eine Unterorganisation von SPD und Grünen agiert, ebenfalls Widerspruch gegen das Vorhaben der Landesregierung anmelden.

Dabei setzt die Koalition in Stuttgart lediglich um, was Grüne und SPD im Wahlkampf angekündigt und im Koalitionsvertrag fixiert haben: „Durch die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern werden wir Baden-Württemberg künftig ein neues, tolerantes Gesicht geben und als Landesregierung respektvoll und weltoffen handeln.“
Gleich vier Begriffe der modernen politischen Rhetorik sind hier versammelt: Vielfalt, Weltoffenheit, Toleranz, Respekt – Worte, die entweder gar nichts oder ihr Gegenteil bedeuten und deren öffentlicher Gebrauch in dem Maße zunimmt, wie kulturelle Techniken, soziale Fähigkeiten und die Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen abnehmen.

Homosexuelle empfinden ihre Politisierung als lästig

Längst sind sie dem Orwell-Huxleyschen Neusprech zuzuordnen. Toleranz bedeutet heute die staatsbürgerliche Pflicht, den vermeintlich Intoleranten zu denunzieren, ihm mit der sozialen Vernichtung zu drohen und damit zum Schweigen zu bringen. Auch im Fall der Petenten hat das falsche Spiel begonnen: Der Südwestrundfunk nennt die Petition „umstritten“ und orakelt über „rechtsextreme“ Einflüsse. So ersparen die Journalisten des Staatssenders sich die Auseinandersetzung und behalten sich den politischen Totschlag mit der Nazi-Keule vor.

Es braucht keine Gender-Ideologie im Unterricht, um Diskriminierung aufzuheben. Die gleichgeschlechtliche Liebe, um bei diesem Punkt zu bleiben, stellt längst keinen gesellschaftlichen Skandal mehr dar. Fast jeder weiß, daß Homosexualität etwas anderes ist als Pädophilie und Homosexuelle im übrigen ziemlich normale Leute sind, die an mehr als nur an das eine denken und es als lästig empfinden, wenn ihre sexuelle Präferenz von Aktivisten und Politikern politisiert, ideologisiert und als kulturrevolutionärer Sprengsatz mißbraucht wird. Sofern unter ihnen Unruhe oder Furcht herrschen, rührt diese von muslimischen Zuwanderern her. Doch diese Tatsache halten Politik und Medien unter Verschluß.

Es geht um die Umerziehung der Gesellschaft

In Wahrheit geht es um die Umerziehung der Gesellschaft und um die Umdefinierung der Geschlechter- und Familienbegriffe. So heißt es bei Grün-Rot: „Schülerinnen und Schüler reflektieren die Darstellung von Geschlechterrollen und sexueller Vielfalt in Medien und Werbung und entwickeln eine Sensibilität für Stereotype.“ Mit dem abwertenden Begriff „Stereotype“ sind offenbar das Mann-Frau- beziehungsweise das Vater-Mutter-Kind-Muster gemeint. Doch sind das keine Stereotype oder willkürliche Konstrukte, sondern anthropologische, in Jahrtausenden bewährte Grundmuster und Institutionen.

Allerdings läßt die Natur gelegentliche Abweichungen zu, auf die Staat und Gesellschaft im begründeten Einzelfall flexibel reagieren sollten: Falls beispielsweise Kinder zu Waisen werden, kann es für sie besser sein, von homosexuellen Verwandten, zu denen sie ein enges Verhältnis haben, aufgezogen zu werden, anstatt einem Heim oder einer fremden Pflegefamilie übergeben zu werden. Aber das sind Ausnahmen, die die Regel nicht aufheben, sondern bestätigen. In diesem Fall muß man den linken Emanzipationsgedanken vor seiner Pervertierung in Schutz nehmen. Für Marx war die Familie die „kleinste Zelle der Gesellschaft“, also eine organische Einheit, die sich aus sich heraus vermehrte.

Das Kind als Gegenstand egoistisch-liberalistischer Selbstverwirklichung

Das ist in der sogenannten Regenbogenfamilie, der Mann-Mann- beziehungsweise Frau-Frau-Konstellation, unmöglich. Zwar kann die Reproduktionsmedizin inzwischen Abhilfe schaffen, doch den Preis zahlen die Kinder, denen damit entweder das Recht auf einen Vater oder auf eine Mutter vorenthalten wird und die eben nicht in einem natürlichen Kontext aufwachsen.

Das Kind wird zum Gegenstand egoistisch-liberalistischer Selbstverwirklichung. Inzwischen ist die Entwicklung von der Selbstverwirklichung zur Selbstermächtigung fortgeschritten. Der links-liberale Fortschrittsverkünder fühlt sich als Demiurg, als sein eigener Schöpfergott, der die Lebensgesetze neu schreibt. Damit freilich steht er in der Gefahr der Selbstzerstörung.
Es gibt Gründe anzunehmen, daß das Konzept des neuen Menschen unter links-liberalen Verhältnissen noch gründlicher und umfassender scheitern wird als im real existierenden Sozialismus. So war die DDR wenigstens zu einer Familienpolitik in der Lage, welche die natürliche Reproduktion quantitativ und qualitativ sicherstellte.

Für die intakten Familien, die bis heute die Mehrheit bilden, sind die Pläne der baden-württembergischen Landesregierung eine glatte Provokation. Der Staat nimmt ihnen die Wertevermittlung und Sexualerziehung aus der Hand und macht die Elternschaft von Vater und Mutter vor den eigenen Kindern als spießiges Rollenmodell lächerlich. Der Widerstand, der sich dagegen regt, zeigt an, daß diese Entwicklung von den Menschen weder als natürlich empfunden wird, noch alternativlos ist.

JF 03/14