23. August 2017

Wesentliche Fragen zum Demografiegipfel?

Quelle: kultur und medien online

Mathias von Gersdorff. Foto: DVCK

Mathias von Gersdorff. Foto: DVCK

Mathias von Gersdorff

Am 14. Mai 2013 sollen die Ergebnisse der neuen Arbeitsgruppe vorgestellt werden, die beim „Demographie-Gipfel“ am 4. Oktober 2012 konstituiert worden sind. Zu diesem Gipfel hatte die Bundesregierung Länder, Kommunen, Verbände, Sozialpartner usw. eingeladen. Die Arbeitsgruppen sollen Maßnahmen vorschlagen, wie Deutschland aus dem Geburtentief herauskommen soll.

Man darf gespannt sein, was die Arbeitsgruppen mit Themenfeldern wie „Motiviert, qualifiziert und gesund arbeiten“, „Ausländisches Arbeitskräftepotenzial erschließen und Willkommenskultur schaffen“, „Mobilisierung aller Potentiale zur Sicherung der Fachkräftebasis“, „Der öffentliche Dienst als attraktiver und moderner Arbeitgeber“ oder „Entwicklung eines Nationalen Koordinierungsrahmens zur Sicherung der Daseinsvorsorge und Stärkung der regionalen Wirtschaft“ vorschlagen werden.

Immerhin behandelt eine Arbeitsgruppe das Thema „Familie als Gemeinschaft stärken“.

Wahrscheinlich wird man viel über „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ reden und über die Eingliederungsmöglichkeiten von Menschen mit fortgeschrittenem Alter im Arbeitsleben. Man wird wohl im wesentlichen von der Annahme ausgehen, die demographische “Zeitbombe” sei insbesondere ein wirtschaftlicher Faktor bzw. ein Problem der Arbeits-Organisation.

Da ist tatsächlich ein Körnchen Wahrheit drin: Der moderne Mensch sucht vorwiegend in der Arbeit und im hedonistisch erlebten Genuß Erfüllung. Er fabriziert seine Persönlichkeit in Funktion dieser beiden Pole und blendet alles aus, was dem im Wege steht, beispielsweise das Lebensrecht der ungeborenen Kinder, die im Zuge der ausschweifenden Suche nach Glück und Genuß eben entstehen.

Kurzschluß: Was zählt, ist die Produktion

Die Tatsache, daß eine Frau einen kompletten Menschen auf die Welt bringen kann und damit etwas leistet, was selbst im Zeitalter von bemannten Weltraumreisen die Technologie nicht geschafft hat, wird gar nicht realisiert. Daß eine Mutter alle natürlichen Anlagen hat, ein Kind nach der Geburt zu einem voll ausgebildeten Menschen erziehen zu können, wird völlig ignoriert, weil man diesen Gaben gar kein Wert zumißt. Was zählt, ist eben die Produktion.

Als Volkswirt bin ich ein eifriger Verteidiger der Marktwirtschaft. Aber als Volkswirt weiß ich auch, daß die Wirtschaftsentscheidungen von Werturteilen bestimmt werden. Zur Zeit ist es in Mode gekommen, Kapitalismus und Marktwirtschaft zu kritisieren, denn sie führen uns in Depression und Burn-Out. Das ist aber nicht ganz richtig.

Was daran beteiligt ist, uns psychisch krank zu machen und nebenbei auch die Geburtenzahlen gering zu halten, ist der Mangel an einer moralischen Grundlage, die sich an der wahren Natur des Menschen orientiert.

Doch gerade das Naturrecht – seit eh und je von der katholischen Kirche verteidigt – wird heute als finster und mittelalterlich verspottet. Dementsprechend werden Ehe und Familie verhöhnt.

Man erfindet groteske Karikaturen wie die „gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft“, und das Betreuungsgeld wird als „Herdprämie“ verunglimpft. Die Kinder sollen schnell in die Kitas, da die Mütter sowieso keine Ahnung vom Kindererziehen hätten. Überhaupt wird die natürliche und entspannte Elternschaft durch Pränataldiagnostik immer mehr zu einer „Elternschaft unter Vorbehalt“, solange man nicht mit Sicherheit ausschließen kann, daß das Kind im Mutterleib genetisch und auch sonst picobello ist.

Sexualkunde für Viertkläßler

Aber nicht nur das: Kinder werden heutzutage so früh sexualisiert, daß sie später gar nicht in der Lage sind, einen Sinn für Ehe und Familie zu entwickeln. Schon Papst Pius XI. hat ausführlich in seinen Enzykliken „Casti Connubi“ (1930) und „Divini illius magistri“ (1929) gezeigt, daß die Beachtung der Sexualmoral eine Bedingung für das Entstehen gesunder Familien ist. Seit Jahrzehnten mahnen Persönlichkeiten wie die Psychotherapeutin Christa Meves, daß die Kinder zur Bindungsunfähigkeit geradezu erzogen werden.

Berlin macht es wieder einmal vor, daß einem übel wird: In einer Grundschule werden die Erstkläßler anhand des Pro-Familia-Buches „Wo kommst du her“ völlig überfordert und desorientiert.

“Die Welt” vom 24. April 2013 schilderte einen Unterricht in der 4. Klasse so: „Als ihr zehnjähriger Sohn zum ersten Mal über den Sexualkundeunterricht erzählte, da wunderte sich seine Mutter ein wenig. Er habe gelernt, daß Frauen „da unten bluten“, sagte der Viertkläßler. Einen Tag später kannte er bereits Kondome und vier Bezeichnungen für das weibliche Geschlechtsteil. Schockiert war die junge Frau aber erst am dritten Tag: Da berichtete das Kind etwas verwirrt, er wisse jetzt, wie sich Lesben befriedigen und daß sie sich dabei „mit der Zunge lecken“ würden. „Ich dachte, ich sei im falschen Film“, beschreibt die Mutter…“

Diese Verdorbenheit macht einen sprachlos. Ein solcher Skandal müßte zu massiven Protesten führen. Doch zu viele scheinen das moralische Empfinden verloren zu haben und sind nicht in der Lage, eine solche Bosheit richtig einzuschätzen.

Hoffnung auf die jungen Deutschen setzen

Jedenfalls müßte sich der Gipfel am 14. Mai 2013 mit solchen Themen beschäftigen, wollte man wirklich ernsthafte Lösungen für die demographische Krise finden. Ob sie den Mut haben und sich dazu aufraffen? – Schwer vorzustellen.

Trotzdem sollte man nicht allzu pessimistisch werden, Hoffnung ist noch da – und zwar bei den Menschen außerhalb der Politik. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder erklärte mit dem Familienreport 2012 am 1. Januar 2013 in Berlin, daß drei Viertel aller jungen Deutschen sich eine Familie wünschen. Diese Zahlen werden durch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid für das Wochenmagazin Focus bestätigt:

Die große Mehrheit der Deutschen glaubt an die Ehe. 98 Prozent der Männer und 95 Prozent der Frauen würden gerne verheiratet sein. Auch wenn wir von den meisten Politikern nicht mehr viel erwarten wollen, sollten wir unseren Glauben an die Menschen nicht verlieren.