20. August 2017

“Schweigemarsch für das Leben” mit 300 Teilnehmern

Quelle: cdl-erzgebirge.de

Foto: Uwe Zenker, freier Fotojournalist

Foto: Uwe Zenker, freier Fotojournalist

Trotz nasskalter Witterung haben sich am vergangenen Montag etwa 300 Teilnehmer dem “Schweigemarsch für das Leben” in der Erzgebirgskreisstadt Annaberg-Buchholz angeschlossen.

Unter der Überschrift “Abtreibung stoppen! Menschenwürde achten!” protestierten sie gegen die deutsche Abtreibungs- und Sterbehilfepraxis.

Beratungsscheine, um “Straffreiheit für die Tötung eines Kindes zu erlangen”

Weil die Deutschen die kommunistischen und nationalsozialistischen Diktaturen des letzten Jahrhunderts nie wieder vergessen wollten, hätten sie in Artikel 1 und 2 im Grundgesetz die Unantastbarkeit der Menschenwürde und das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit vorangestellt, betonte der CDL-Vorsitzende im Freistaat Sachsen, Joachim Hadlich (Elterlein), zur Abschlusskundgebung. Er forderte Bundesregierung, Gerichte, Parlament und Parteien auf, den “abscheulichen Zustand” der jährlichen Tötung von schätzungsweise 200.000 ungeborenen Kindern zu beenden und “zu einer gesitteten Rechtsordnung” zurückzukehren, die Grundgesetz und Lehren der Vergangenheit berücksichtigen. “Beratungsscheine”, so Hadlich, würden nach “sogenannter wertneutraler Beratung“ ausgestellt und dienten nur dem Zweck, “Straffreiheit für die Tötung eines Kindes zu erlangen”.

Hinter dem “assistierten Suizid” verbirgt sich Euthanasie

Viele Menschen hätten ihre Abtreibung überstanden, liefen aber am Ende ihres Lebens Gefahr, “von Erben, Pflegern oder sogar Ärzten aus dem Leben abgetrieben zu werden“, weil sie “krank, pflegebedürftig, einsam und lebensmüde oder in unserer Leistungsgesellschaft nutzlos und überflüssig geworden sind”, betonte Hadlich. Hinter dem “verschleierten Wort `assistierter Suizid`” verberge sich nichts anderes als die Euthanasie. Deshalb forderten die Christdemokraten für das Leben “ein Verbot jeglicher Sterbehilfe”. “Alte, kranke, einsame und depressive Menschen brauchen nicht Hilfe zum Selbstmord, sondern Zuwendung und palliativmedizinische Betreuung”, mahnte Hadlich.

Hebammen lehnen Abtreibung aus Glaubens- und Gewissensgründen ab

Die Hebammen Tamar Küchler (Crottendorf) und Aline Queck (Sosa) berichteten, wie sie zusammen mit zwei anderen Hebammen ihren Arbeitsplatz in der Chemnitzer Frauenklinik “aus Glaubens- und Gewissensgründen” aufgegeben hatten. Sie hätten es nicht mehr ertragen können, dass Leben zerstört wird. In einem Film habe man ihnen gezeigt, wie sich das Kind im Mutterleib wehrt, sobald die Abtreibungswerkzeuge in die Gebärmutter der Schwangeren eindringen. Küchler sagte: “Die Augen, die mich aus dem Kopf eines abgetriebenen Kindes anschauten, werde ich niemals vergessen”. Es gebe, so Queck, keine ausweglosen Situationen und es sei wichtig, werdenden Müttern Mut zum Kind zuzusprechen. Küchler gründete in Annaberg-Buchholz das Geburtshaus “Glühwürmchen”. Von Beginn einer Schwangerschaft an können sich dort Frauen informieren und sich von Hebammen beraten lassen. Hebammenhilfe kann von jeder Frau in Anspruch genommen werden und wird von den Krankenkassen bezahlt.

Aufruf zur Europäischen Unterschriftenaktion “EINER VON UNS”

Das Mitglied der CDL, Marc Schneider (Breitenbrunn), ermutigte die Demonstranten, sich an der Europäischen Bürgerinitiative “EINER VON UNS” (www.1-von-uns.de) zu beteiligen. Diese wolle erreichen, dass die EU sich an ihr eigenes Recht hält. Dazu gehöre auch, die Finanzierung sämtlicher Aktivitäten zu beenden, welche zur Tötung menschlicher Embryonen führten. Dies betreffe verschiedene Politikbereiche der EU, darunter Forschung, Entwicklungspolitik und das öffentliche Gesundheitswesen. Schneider betonte: “Der Mensch ist ab dem Zeitpunkt der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle ein Mensch.” Das habe der “Europäische Gerichtshof 2011 erstmals höchstrichterlich festgestellt”. Für den Erfolg der Bürgerinitiative müssten in Deutschland bis zum 1. November 2013 mindestens 80.000 Unterschriften gesammelt werden. EU-weit brauche man bis zu diesem Zeitpunkt eine Million Unterschriften. Davon seien bisher in Europa bereits über 450.000 gesammelt worden.

„Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete.“

Wer die Bibel lese, werde feststellen, dass der Mensch Gottes Schöpfung sei und “kein Zufallsprodukt”, sagte der CDL-Vorsitzende im Erzgebirge, Thomas Schneider (Breitenbrunn). Gott selbst habe zu Jeremia, einem der großen Propheten im Alten Testament gesagt: „Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete.“ Bevor ein Mensch überhaupt einen Gedanken daran verschwenden könne, dass neues Leben entstehe, wisse Gott bereits davon. Wenn ein Mensch umgebracht werde, den Gott bereits vor seinem Entstehen kenne und ihm alle Anlagen geschenkt habe, dann sei das in der Sprache der Bibel Mord, so Schneider. In der Bibel stehe aber auch, dass “jeder Mensch Vergebung durch Jesus Christus erfahren könne; sei es der Arzt, der die Abtreibung eines Kindes zu verantworten hat, sei es die Mutter, die ihr Kind töten ließ oder sei es der Mensch, der einen anderen am Ende seines Lebens zum Selbstmord verhalf”. Dies sei “die ganze Wahrheit der biblischen Botschaft”.

Nächster “Schweigemarsch für das Leben” am 26. Mai 2014

Mit einem Gebet schloss der Versammlungsleiter Thomas Schneider die Veranstaltung, dankte allen Mitwirkenden und den Einsatzkräften von Polizei, Kreis- und Stadtverwaltung. Bereits zum vierten Mal in Folge organisierte der Kreisverband der Christdemokraten für das Leben (CDL) im Erzgebirge einen Schweigemarsch, an der auch Pfarrer und Mitarbeiter aus Gemeinden der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens teilnahmen. Unter den Demonstranten und Unterzeichnern der Unterschriftensammlung “EINER VON UNS” war auch der Fraktionsvorsitzende der CDU im Sächsischen Landtag, Steffen Flath. Der 5. “Schweigemarsch für das Leben” findet am Montag, dem 26. Mai 2014 in Annaberg-Buchholz statt. [www.cdl-erzgebirge.de]