18. November 2017

Algerien: Diskriminierung von Christen an der Tagesordnung

Quelle: OpenDoors

Foto: Elisabeth Patzal/pixelio.de

Foto: Elisabeth Patzal/pixelio.de

(KELKHEIM, 7. Mai 2013) – Ein 2006 in Kraft getretenes Anti-Missionsgesetz beschränkt die Ausübung nicht-islamischer Religionen. Es verbietet Christen mit Muslimen über ihren Glauben zu sprechen. Kirchen werden von staatlicher Seite überwacht und immer wieder geschlossen. Viele Christen wurden und werden durch das Anti-Missionsgesetz zu Gefängnis- oder Geldstrafen verurteilt. Trotzdem wächst in Algerien die Gemeinde. Vor allem im Norden Algeriens entscheiden sich viele Berber (Kabylen) für ein Leben als Christ.

Christ werden bedeutet, sich in Gefahr zu begeben

Diese Entscheidung bedeutet für einen Algerier, dass er sich der Verfolgung aussetzt. Die algerischen Christen werden täglich damit konfrontiert. Sie erleben verbale und körperliche Gewalt, Verleumdungskampagnen in den Medien bis hin zu Zwangsscheidungen von Ehepaaren. Zwei aktuelle Beispiele aus Algerien: Kürzlich wurde Mecheri, ein Berber und Christ aus dem Norden, von seinem eigenen Bruder vor Gericht gestellt. Da Mecheri sich zum christlichen Glauben bekennt, leitete sein Bruder ein Enterbungsverfahren gegen ihn ein.

Ein Christ hat kein Recht auf sein rechtmäßiges Erbe

Hintergrund ist ein Gesetz aus dem Jahre 1984. Es besagt, dass jemand, der dem Islam den Rücken kehrt, also ein Abtrünniger wird, keinen Anspruch auf seinen Anteil vom Erbe eines Muslims mehr hat. Mecheri hatte schon einmal Kontakt zu den Behörden. Kurz nachdem er Christ wurde, stellte man ihn unter Anklage. Mecheri wurde der Apostasie, des Abfalls vom Glauben, beschuldigt und auf die örtliche Polizeibehörde bestellt. Dort sollte er sich zu Mohammed und Allah bekennen. „Das kann ich nicht, weil ich Christ bin“, sagte Mecheri dort und wird seitdem noch argwöhnischer beobachtet und kontrolliert.

Anerkennung der Kirche durch den Staat nutzlos

Auch die protestantische Kirche kämpft mit ihrer Stellung im Land. Als sie 2011 von den Behörden offiziell anerkannt wurde, deuteten Christen das als positives Zeichen. Wirklich geändert hat sich aber nichts. Trotzdem hörten die Sanktionen gegen die Gemeinden nicht auf. Sie werden nach wie vor kontrolliert und überwacht. Christen können weiterhin bestraft werden, sobald sie entdeckt werden. Faktisch haben sie somit weiterhin einen illegalen Status.

Keine Visa für ausländische Pastoren

Der Präsident der Protestantischen Kirche Algeriens macht sich keine Illusionen: „Uns wurde von der Regierung zugesichert, dass Pastoren und Theologielehrer aus dem Ausland nun leichter nach Algerien einreisen können. Aber jedes einzelne Visum ist ein Kampf. Fünf Pastoren, die wir für Predigtreihen eingeladen haben, warten noch immer auf ihre Visa.“ Vorab gab es vom Ministerium für religiöse Angelegenheiten die Zusage, dass die Einreise der Pastoren und die Veranstaltungen genehmigt sind. Auf konkrete Nachfrage von Seiten der Kirche, wie der Stand der Dinge bezüglich der Visa sei, gibt es keine Antwort. Algerische Christen haben seit der Einführung des Anti-Missionsgesetzes kaum Freiheiten, ihren Glauben zu leben. Das Gesetz gibt den Behörden das Recht, die religiösen Aktivitäten und das Gemeindeleben zu überwachen. Bedroht fühlen sich die algerischen Christen im Moment aber eher von den Islamisten, die teilweise gewaltsam gegen Christen vorgehen.