23. Mai 2018

Deutsche verbringen immer mehr Zeit vor dem Fernseher

Quelle: kultur und medien online

Foto: Thomas Schneider

Foto: Thomas Schneider

Das erschreckende Ergebnis aus dem aktuellen „Navigator Mediennutzung 2012“ von Seven One Media zeigt, dass die Deutschen immer mehr Zeit vor dem Fernseher verbringen. Dies ist eine der größten Studien, die jährlich alle Arten von Massenkommunikation untersucht.

Bei den 14- bis 49-Jährigen beträgt die tägliche Nutzung der Medien fast zehn Stunden pro Tag. Dies sind 16 Prozent mehr als vor zehn Jahren und belegt damit Platz eins. An zweiter Stelle rangiere der Hörfunk mit 149 Minuten. Das Internet hole mit 107 Minuten immer mehr auf. Im Jahr 2002 habe die tägliche Nutzung erst bei 30 Minuten gelegen. Dagegen nehme das Interesse an gedruckten Medien ab. Zeitungen würden nur noch 19 Minuten täglich gelesen, was einen Rückgang um 20 Prozent gegenüber 2002 bedeute, und die Beschäftigung mit Zeitschriften sei von 17 auf täglich acht Minuten gesunken.

Über 50jährige schauen täglich mehr als fünf Stunden fern

Erstmals ermittelte Seven-One Media auch die Gewohnheiten der über 50-Jährigen. Sie schauten täglich mehr als fünf Stunden fern, genau 328 Minuten. Im Internet hielten sie sich dagegen nur 30 Minuten auf.

Auch Videospiele legen deutlich zu. Auf sie entfallen mittlerweile 29 Minuten – doppelt so viele wie 2002 [Quelle: Horizont vom 10.Januar 2013].

Fernsehen macht Zuschauer zu Opfern

Resultat und weitere Meinungen: „Allein aus dem Fernsehen erhält man keine Bildung“. Das christliche Magazin „factum“ analysiert diesen Medienkonsum als bedenklich. Redaktionsleiter Thomas Lachenmaier sagt dazu:

„Das Fernsehen informiert nicht, sondern macht Zuschauer häufig zu Opfern zu politisch und kommerziell motivierter Meinungsmache.“

Fernsehzuschauer meinten zwar, gut Bescheid zu wissen, doch wenn man sie zu aktuellen Themen befrage, bekomme man kaum Fakten – aber jede Menge Gefühle der Empörung, der Sympathie und der Antipathie.

„Wir leben in einer Gesellschaft, in der – überspitzt formuliert – jeder zu allem eine Meinung hat und starke Gefühle für oder gegen etwas hegt – aber keiner mehr Bescheid weiss“, so Lachenmaier.

Der Direktor einer Uniklinik in Ulm, Professor Manfred Spitzer, sieht sogar einen Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Fernsehen. Er meint, dass der gestiegene Fernsehkonsum die wirtschaftliche Zukunft bedroht, weil die Menschen immer weniger Wissen zur Bewältigung des Alltags und der beruflichen Anforderungen hätten.