18. November 2017

Familie ist im Untergang

Quelle: frau2000plus.net

Birgit Kelle, Vorsitzende von Frau 2000plus. e.V.

Birgit Kelle, Vorsitzende von Frau 2000plus. e.V. Foto: frau2000plus.net

von Birgit Kelle

Familie ist im Untergang – das haben Sie nicht gewusst? Wahrscheinlich leben Sie in einer und beschäftigen sich nicht beruflich wissenschaftlich damit. Da kommt man unter Umständen zu unterschiedlichen Schlüssen. Man könnte auch sagen: das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Jetzt gibt es wieder eine neue Studie, die sich mit dem Fernbleiben der lieben Kinder in deutschen Familien auseinander gesetzt hat. Ja, schon wieder eine Studie, man kann es bald nicht mehr lesen. Ich habe es für Sie getan und ein Interview des Herausgebers ließ mich aufhorchen, denn ich blieb wie bei einem Déjà-vu an einer Formulierung hängen, die man vielerorts antrifft: dass Eltern doch am „gesellschaftlichen und sozialen Leben teilhaben“ wollten und deswegen – Sie ahnen es sicher schon – brauchen wir noch mehr Fremdbetreuung und zwar nicht nur während der Arbeitszeit der Eltern, sondern auch danach. Man will ja auch am Abend noch teilhaben irgendwie an der Gesellschaft. Symptomatisch für diese Argumentation ist die Ansicht ihrer Vertreter, wer sich in der Familie bewege, nehme nicht an der Gesellschaft teil. Stünde im gesellschaftlichen Abseits und nicht etwa mitten im Leben. Das liefert Grund genug für eine Kolumne, finde ich:

Der Familienknick

Ein Ausschnitt: Karriereknick, Einkommensknick, Freizeitknick, Freiheitsknick, Emanzipationsknick, nicht zu vergessen Teilhabeknick, genau genommen also ein Allesknick. Ja, Kinder sind ein echtes Übel. – Nur wenn man die Eltern fragt, die gerne zu Hause bei ihren Kindern sind, bekommt man seltsamerweise etwas anderes zu hören als das, was wissenschaftlich an allen Fronten aufgearbeitet wird. Da werden Kinder plötzlich zum Lebenssinn, zum Lebenszweck, zur Lebensverwirklichung. Die Bücherläden stehen voll mit Selbsterfahrungsberichten von Müttern und neuerdings auch vielen Vätern, die – trotz allem – ihr Glück in Kindern gefunden haben. Trotz Schlafentzug, Geldsorgen, Erziehungswahnsinn und vollen Windeln. Obwohl man nicht mehr ins Kino kommt und auch nicht ins Theater. Weil das ja auch niemals eine Kompensation ist für ein fehlendes Nest. Weil ich Familie nicht kaufen kann und sie deswegen mit Geld auch nicht zu haben ist. Unbezahlbar eben. Wer also nur vom Karriereknick durch Kinder spricht, vergisst, verleugnet, dass gerade Karriere sehr häufig zum Familienknick führt.“

Den ganzen Text finden Sie HIER

Birgit Kelle ist Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins „Frau 2000plus e.V.“. Frau 2000plus e.V. ist Mitglied des europäischen Dachverbandes New Women For Europe in Brüssel