23. Oktober 2017

Welche Pastoren braucht das Land?

Quelle: idea.de

Foto: Heike Dreisbach/pixelio.de

Foto: Heike Dreisbach/pixelio.de

Seelsorger, Prediger, Manager in einer Person – die beruflichen Anforderungen an Geistliche könnten kaum vielfältiger sein. Und welche Art Pastor oder Pastoirn wünscht sich das Kirchenvolk? Die Evangelische Nachrichtenagentur idea hat bei prominenten Proetstanten nachgefragt.

Wetzlar (idea) – Kaum ein Beruf ist vielfältiger als der des Geistlichen: Pfarrerinnen und Pfarrer sollen unter anderem Seelsorger, Prediger und Manager sein. Aber welche Art Pastor braucht das Land wirklich? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Deutsche Pfarrerinnen- und Pfarrertag, der vom 16. bis 18. September in Hannover stattfindet. Im Vorfeld fragte die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) prominente Protestanten, welche Pastoren sie sich wünschen. Die überwiegende Meinung: Sie sollten die biblische Botschaft lebensnah auslegen und nahe bei den Menschen sein.

Weise: Pastoren sollten viel beten

Nach Ansicht des Chefs der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise (Nürnberg), braucht das Land Pastoren, die sich zuerst „selbst um den Glauben bemühen und viel beten“. Zweitens sollten sie sich gut überlegen und beraten lassen, wie sie den Glauben anderen Menschen nahebringen können. Dabei seien die Aussagen der Bibel das Wesentliche. Wichtig seien aber auch die Ansprache und Orientierung für das Leben im sozialen Umfeld, etwa in der Arbeitswelt.

Gauweiler: „Beseelte Menschen“

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler (München) bezieht sich auf den Reformator Martin Luther (1483-1546). Für ihn sei die Kirche da gewesen, wo das Wort Gottes Menschen versammelt und eint. Gauweiler: „Unsere Kirche braucht beseelte Menschen, die das, was sie ausmacht, in ihren Gemeinden verwirklichen.“ Die Kirchenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Griese (Ratingen bei Düsseldorf), wünscht sich „Zuwendung zu den Menschen aus glaubwürdig gelebtem Glauben heraus“. Gut ausgebildete Theologen sollten den historischen Hintergrund der Bibel erklären, ihn kritisch einordnen und spannend vermitteln können.

Journalist: „Auf der Höhe der Zeit“ predigen

Nach Ansicht der Fernsehjournalisten und Buchautors Markus Spieker (Berlin), braucht Deutschland kompetente Pastoren noch mehr als einen stabilen Euro. „Ich meine damit Männer und Frauen, denen ein fröhliches Lächeln über das Gesicht geht, wenn sie den Namen ‚Jesus’ hören.“ Gefragt seien Verkündiger, die der Bibel vertrauen, das Evangelium „auf der Höhe der Zeit“ predigen und sich für Menschen begeistern. Davon gebe es leider zu wenige. Die Mode-Expertin Katharina Kemmler (Berlin) wünscht sich Pastoren, „die die Welt nicht allein aus der Sicht des Menschen beschreiben, sondern Gott als die größte Gewalt des Universums anerkennen“.

Bischöfin: Begeisterung für Gottes Sache

Auch die Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche, Rosemarie Wenner (Frankfurt am Main), hält neben fachlichem Können „Begeisterung für Gottes Sache und Leidenschaft, andere zum Glauben einladen zu wollen“, für nötig. Ähnlich äußert sich die Erzieherin Tabea Dölker (Holzgerlingen bei Stuttgart), die dem Rat der EKD angehört. In Glaubensfragen sprachfähig zu sein, sei für Pfarrerinnen und Pfarrer eines der wichtigsten Übungsfelder. „Kennen unsere Geistlichen die Lebensumstände, in denen die Menschen in ihren Gemeinden leben?“ fragt Dölker.

Theologieprofessor: Gegen „Bla-Bla“ in Predigten

Der Theologieprofessor Volker Gäckle, Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell (Bad Liebenzell), warnt vor „Bla-Bla“ in Predigten. Wenn das kraftvolle Wort des Evangeliums verloren gehe, sei alles andere „substanzlose Dekoration frommer Betriebsamkeit“. Auch ein Atheist äußerte gegenüber idea seine Wünsche an Pastoren. Für René Hartmann (Oberursel bei Frankfurt am Main) – erster Vorsitzender des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten – haben viele Pastoren den Glauben an die kirchlichen Lehren weitgehend verloren: „Es wäre zu wünschen, dass sie den Weg aus der Kirche finden, statt weiterhin Mythen verkünden zu müssen.“

Mehr als 35.000 Geistliche in Deutschland

Innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gibt es etwa 21.400 Geistliche; davon ist etwa ein Drittel weiblich. Hinzu kommen etwa 14.000 katholische Priester sowie orthodoxe und freikirchliche Geistliche. Zum Pfarrertag, der alle zwei Jahre vom Verband evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer veranstaltet wird, werden etwa 250 Teilnehmer erwartet. Der Verband vertritt die Interessen von etwa 21.000 Mitgliedern. Als Vorsitzender amtiert Thomas Jakubowski (Schifferstadt).