23. Oktober 2017

Papyrusfund: Jesus hatte keine Frau

Quelle: idea.de

Der Dortmunder Professor Rainer Riesner. Foto: Privat

Der Dortmunder Professor Rainer Riesner. Foto: Privat

Evangelische Theologen haben Spekulationen zurückgewiesen, wonach Jesus verheiratet gewesen sein könnte. Der Dortmunder Professor Rainer Riesner (Foto) weist auf die von der US-amerikanischen Wissenschaftlerin Karen King, die den Papyrus-Schnipsel vorgestellt hat, selbst gegebene Erläuterung hin: „Dieser neue Satz beweist nicht, dass Jesus verheiratet war, aber er zeigt uns, dass dieses Thema inmitten einer hitzigen Debatte um Sexualität und Heirat aufkam.“

Rom (idea) – Evangelische Theologen haben Spekulationen zurückgewiesen, wonach Jesus verheiratet gewesen sein könnte. Ein von der US-amerikanischen Wissenschaftlerin Karen King (Cambridge, Bundesstaat Massachusetts) am 18. September in Rom vorgestellter Papyrus-Schnipsel hat Anlass zu solchen Vermutungen gegeben. Das von King ins vierte Jahrhundert datierte und in koptischer Sprache verfasste Schriftstück in der Größe einer Visitenkarte enthält Medienberichten zufolge den Satz: „Jesus sagte zu ihnen: ‚Meine Ehefrau‘.“ Dies betrachten zahlreiche Journalisten als Hinweis darauf, dass Jesus eine sexuelle Beziehung, möglicherweise zu Maria Magdalena, gehabt haben könnte. Dieser Deutung widersprechen Theologen. So weisen beispielsweise der Dortmunder Professor Rainer Riesner und der Theologische Referent des Arbeitskreises für evangelikale Theologie, Prof. Herbert Klement (Sprockhövel bei Wuppertal), auf die von King selbst gegebene Erläuterung hin: „Dieser neue Satz beweist nicht, dass Jesus verheiratet war, aber er zeigt uns, dass dieses Thema inmitten einer hitzigen Debatte um Sexualität und Heirat aufkam.“ Diese Diskussion könne sich frühestens im 2. Jahrhundert ereignet haben, als der griechische Urtext des Papyrus geschrieben worden sei, so King. Der Direktor des evangelikalen englischen Tyndale-Studienhauses, Peter Williams (Cambridge), hält es für möglich, dass der Papyrus auch erst im 6. oder 7. Jahrhundert entstanden ist. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten habe es überhaupt keine Hinweise darauf gegeben, dass Jesus eine Frau gehabt haben könnte. Maria Magdalena sei vielmehr als bekehrte Sünderin und Vorbild für sexuelle Enthaltsamkeit angesehen worden. Außerdem bestünden Zweifel an der Echtheit des Papyrus. Weder sein Eigentümer noch die Geschichte seiner Entdeckung seien bekannt.