17. Oktober 2017

Wo hinter Gittern gebetet wird

Quelle: idea.de

Durch Tänze und Gesänge drückten die Teilnehmer ihre Beziehung zum Heiligen Geist aus. Foto: PR

Durch Tänze und Gesänge drückten die Teilnehmer ihre Beziehung zum Heiligen Geist aus. Foto: PR

Die „Unidad 25“ (Einheit 25) in La Plata/Argentinien ist das weltweit einzige evangelikale Gefängnis. 150 Insassen verbüßen hier ihre Haftstrafe „nach evangelikalen Regeln“. Der „Deutschlandfunk“ hat die Arbeit der Einrichtung kürzlich vorgestellt.

La Plata/Köln (idea) – Das einzige Gefängnis weltweit, das von einer christlichen Gemeinde geprägt ist, befindet sich in Argentinien: „Unidad 25“ (Einheit 25) in La Plata. Der „Deutschlandfunk“ (Köln) hat die Arbeit der Einrichtung kürzlich in einem Beitrag vorgestellt. Die Haftanstalt ist ein Trakt des Hochsicherheitsgefängnisses Los Olmos, 80 Kilometer südlich der Hauptstadt Buenos Aires. 150 Insassen verbüßen hier ihre Haftstrafe „nach evangelikalen Regeln“. Als „evangelikal“ werden theologisch konservative Protestanten bezeichnet, die die Bibel sehr ernst nehmen. Der Alltag im Gefängnis sieht so aus: Fünfmal die Woche veranstaltet der Gefängnispastor David Gonzales einen Gottesdienst. Gebetet wird täglich. Die Teilnahme sei freiwillig, erklärt er dem „Deutschlandfunk“. Allerdings hätten alle Insassen den Glauben der anderen Häftlinge zu akzeptieren. Die Stimmung während der Gottesdienste sei „ekstatisch“. Durch Tänze und Gesänge drückten die Teilnehmer ihre Beziehung zum Heiligen Geist aus. Eine nahegelegene Pfingstgemeinde unterstützt die Christen im Gefängnis regelmäßig. Rund ein Drittel der Häftlinge sei bereits zu ihr übergetreten. „Die einfache Botschaft der Pfingstkirchler, dass auch ein Sünder neu anfangen kann, wenn er sein Leben in Gottes Hand gibt, fällt in den Gefängnissen auf besonders fruchtbaren Boden“, so der Beitrag. Die Regeln seien einfach: keine Drogen, kein Alkohol und kein Diebstahl. Wer sich nicht daran halte, müsse die Gefängnisgemeinde verlassen und in den normalen Strafvollzug zurück.

Ein verurteilter Mörder ist jetzt Pastor

Gonzales ist selbst Häftling der 2003 gegründeten Anstalt. Er wurde wegen zweifachen Mordes verurteilt. Nach seinen Worten will die Einrichtung die Insassen nicht nur verwahren, sondern weiterbilden. Er habe beispielsweise das Abitur nachgeholt und ein Fernstudium begonnen. Alle Insassen müssten einer geregelten Tätigkeit nachgehen. Viele Gefangene aus anderen Anstalten bemühten sich auch deshalb, in der „Einheit 25“ aufgenommen zu werden. Der katholische Direktor der Anstalt, Jorge Mario Bolo, ist von dem evangelikalen Konzept überzeugt. Gegenüber dem „Deutschlandfunk“ sagte er: „Die christliche Doktrin spricht von Nächstenliebe, von Toleranz, vom Leben in Würde und der Suche nach dem Guten.“ All das biete sein Gefängnis.

Freikirchen in Argentinien auf dem Vormarsch

Wie der „Deutschlandfunk“ darüber hinaus berichtet, seien evangelikale Freikirchen – wie die Pfingstgemeinden – in Argentinien auf dem Vormarsch. Zehn Prozent der Bevölkerung gehörten ihnen mittlerweile an. Gründe dafür sind laut der Sendung unter anderem die Organisationsschwäche der katholischen Kirche und eine große Armut. Um die Armen kümmere sich weder der Staat noch die institutionalisierte Kirche. In dem katholisch geprägten Land habe die Missionierung durch evangelikale Freikirchen vor rund 40 Jahren begonnen.