20. Oktober 2017

„Warum werden wir nicht katholisch?“

Quelle: idea.de

Pfarrer Andreas Theurer will am Reformationstag, 31. Oktober, zur katholischen Kirche übertreten. Foto: PR

Pfarrer Andreas Theurer will am Reformationstag, 31. Oktober, zur katholischen Kirche übertreten. Foto: PR

Die Thesen des Theologen Andreas Theurer (Foto) stoßen auf Widerspruch. Der evangelische Pfarrer will zur katholischen Kirche wechseln. Seine Begründung in dem Buch „Warum werden wir nicht katholisch? – Denkanstöße eines evangelisch-lutherischen Pfarrers“ wird jetzt heftig diskutiert.

Tübingen (idea) – Der angekündigte Übertritt eines württembergischen evangelischen Pfarrers zur katholischen Kirche hat für Schlagzeilen gesorgt. Vor allem über die Begründung, die Andreas Theurer (Seewald-Göttelfingen bei Freudenstadt) in dem Buch „Warum werden wir nicht katholisch? – Denkanstöße eines evangelisch-lutherischen Pfarrers“ gibt, wird heftig diskutiert. Der 45-Jährige ist der Meinung, dass die katholische Lehre näher an der Bibel und den Erfahrungen der Apostel sei als die evangelische Kirche. Der Oberkirchenrat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg suspendierte Theurer, weil er nicht mehr auf dem Boden der für sie geltenden Bekenntnisse stehe. Mit seinen Thesen befasst sich auch ein kritischer Kommentar des Rektors des Tübinger Albrecht-Bengel-Studienhauses, Rolf Sons, in dem evangelischen Wochenmagazin „ideaSpektrum“. Der promovierte Theologe bescheinigt Theurer zwar, „sehr sachlich und kenntnisreich“ vorzugehen und damit zu einem besseren Verständnis für den katholischen Glauben beizutragen, aber in wesentlichen Punkten an evangelischen Kernaussagen vorbeizugehen. Falsch sei beispielsweise die Ansicht, dass die protestantische Überzeugung „sola scriptura“ (allein die Schrift) nur ein „reformatorischer Kampfbegriff gegen eine Überfremdung des Glaubens durch Heiligenlegenden oder kirchliche Dogmen“ sei. Mit dieser Formel drückten Evangelische vielmehr ihre Liebe zur Bibel als einem Liebesbrief Gottes an die Menschen aus. „Aus diesem Wort zu leben, es zu lieben und es zu erforschen, ist ein unaufgebbares Markenzeichen evangelischen Glaubens. Dieses Alleinstellungsmerkmal der Schrift finden wir aber in der katholischen Kirche so nicht“, schreibt Sons.

„Allgemeines Priestertum“ ist kein Irrtum

Anders als Theurer es darstelle, sei auch die Überzeugung vom „allgemeinen Priestertum“ kein „Irrtum“, sondern ein Hinweis auf einen „unverzichtbaren Aspekt des biblischen Glaubens“, nämlich die Mündigkeit der sogenannten Laien. Protestanten glaubten, dass Christus damals wie heute einfache Menschen begabe, berufe, bevollmächtige und in den Dienst nehme. Dieser Aspekt trete innerhalb der katholischen Amtstheologie nicht so deutlich hervor. Als drittes Merkmal des Protestantismus nennt Sons die Kreuzesbotschaft, wie sie der Reformator Martin Luther (1483-1546) „neu und ganz einseitig in die Mitte“ der kirchlichen Verkündigung gerückt habe.

Keine Zölibatspflicht für wechselnde Pfarrer

Theurer, der seit 12 Jahren eine Schwarzwaldgemeinde betreut, will den Konfessionswechsel am Reformationstag (31. Oktober) vollziehen. Er wird künftig am (katholischen) Institut für Neuevangelisierung in Augsburg arbeiten. Später will er wieder als Seelsorger tätig sein. Auch seine Ehefrau, die der theologisch konservativen Bewegung „Lebendige Gemeinde“ angehörende Landessynodale Gudrun Theurer, hat einen Übertritt zur katholischen Kirche angekündigt. Theurers Ehe ist kein Hindernis für eine spätere Priesterweihe. Für verheiratete evangelische Geistliche, die sich der katholischen Kirche anschließen, gilt in der Regel, dass sie von der Zölibatspflicht solange befreit sind, wie die Ehefrau lebt.

Seit 1945 wurden rund 100 evangelische Pfarrer katholisch

Konfessionswechsel von Pfarrern sind relativ selten. Allerdings gibt es darüber keine Statistiken. Der Grund ist, dass beide Großkirchen jedes Aufsehen vermeiden wollen. Im Jahr 1977 haben die EKD und die (katholische) Deutsche Bischofskonferenz vereinbart, Konversionen diskret zu behandeln, um ökumenische Reibungen auszuschließen. Ökumene-Experten schätzen, dass seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland etwa 100 evangelische Pfarrer katholisch geworden sind, und ebenso viele katholische Priester evangelisch.