23. Oktober 2017

US-Studie: Mega-Gottesdienste wirken wie Drogen

Quelle: idea.de

Die "Crystal Cathedral" in Garden Grove im US-Bundesstaat Kalifornien. Foto: PR

Die „Crystal Cathedral“ in Garden Grove im US-Bundesstaat Kalifornien. Foto: PR

Gottesdienste in US-amerikanischen Mega-Kirchen (das Bild zeigt die „Crystal Cathedral“ in Garden Grove im US-Bundesstaat Kalifornien) wirken auf die Besucher wie eine Droge. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Soziologen James Wellman von der „University of Washington“ in Seattle.

Seattle/Denver (idea) – Gottesdienste in US-amerikanischen Mega-Kirchen wirken auf die Besucher wie eine Droge. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Soziologen James Wellman von der „University of Washington“ in Seattle (Bundesstaat Washington). Sie wurde auf der Jahrestagung der Amerikanischen Soziologischen Vereinigung am 19. August in Denver (Bundesstaat Colorado) vorgestellt. „Die Mitgliedschaft in einer Mega-Kirche ist die am weitesten verbreitete Art, mit der Christen in den USA Gott die Ehre geben“, so Wellman. „Deshalb sollte man diese Kirchen verstehen.“ Als Mega-Gemeinden gelten solche mit mehr als jeweils 2.000 Gottesdienstbesuchern. Die meisten dieser etwa 2.000 Gemeinden sind evangelikal geprägt. Die größte, die Lakewood-Church in Houston (Bundesstaat Texas), hat wöchentlich über 40.000 Gottesdienstbesucher. Wellman: „Wenn man in solche Gottesdienste kommt, sieht man lachende Menschen, Besucher, die in den Gängen tanzen. Diese Erfahrung ungekünstelter Freude beobachten wir in Mega-Kirchen überall. Deshalb sagen wir, die Gottesdienste wirkten wie eine Droge.“

Gottesdienste sind eine „gute Droge“

Allerdings spricht Wellman von einer „guten Droge“, da moralische Leitlinien vermittelt würden, etwa ein anständiger Mensch zu sein, sich um seine Familie zu kümmern, sowie seinen Feinden und sich selbst zu vergeben. Die Soziologen vermuten, dass die Gottesdienste wie eine Art Hormoncocktail wirken. Hauptbestandteil sei dabei der Bindungsbotenstoff Oxytocin, der im Gehirn freigesetzt werde. Die moderne Technik vieler Mega-Gemeinden unterstütze das. Laute Musik und Kameras, die die Bilder lachender, tanzender, singender oder weinender Menschen auf riesige Leinwände projizierten, berührten die Gottesdienstbesucher auf einer emotionalen Ebene.

Keine theologisch tiefgründigen Predigten

Der Pastor sei in den Gottesdiensten eine Art Star, von dem Energie ausgehe. Dabei seien die Predigten weder analytisch noch theologisch tiefgründig. Dennoch sagte ein Großteil der Befragten, er fühle sich nach den Predigten einfach gut. Das unterscheidet die Mega-Gemeinden nach Ansicht Wellmans von „den nüchternen, urteilenden und puritanischen Versammlungen vergangener Zeiten“. Die Mega-Gemeinden seien eine „neue Mischform des Christentums“, die sich von allen „traditionellen Institutionen unterscheiden, die wir mit dem Christentum verbinden“, so Wellman. Für die Studie analysierten Wellman und seine Kollegen Gottesdienste und Aktivitäten von zwölf Mega-Kirchen und führten darüber 470 Interviews mit Mitgliedern.