24. Oktober 2017

Kritik an christlichen Fundamentalisten

Quelle: idea.de

Der Radiosender SWR 2 strahlte die Sendung „Bedingungslos fromm – Fundamentalistische Strömungen in Katholizismus und Protestantismus“ aus. Logo: PR

Der Radiosender SWR 2 strahlte die Sendung „Bedingungslos fromm – Fundamentalistische Strömungen in Katholizismus und Protestantismus“ aus. Logo: PR

Kritik an christlichen Fundamentalisten in Deutschland ist in einer Sendung des Radiosenders SWR 2 geübt worden. Der Beitrag mit dem Titel „Bedingungslos fromm – Fundamentalistische Strömungen in Katholizismus und Protestantismus“ unterstellt, die Kernforderung der Aufklärung, selbständig zu denken, finde bei ihnen keinen Platz.

Stuttgart (idea) – Kritik an christlichen Fundamentalisten in Deutschland ist in einer Sendung des Radiosenders SWR 2 geübt worden. Der Beitrag des Journalisten Bastian Wierzioch mit dem Titel „Bedingungslos fromm – Fundamentalistische Strömungen in Katholizismus und Protestantismus“ wurde am 26. August gesendet. Darin werden der Priester der Piusbruderschaft in Stuttgart-Feuerbach, Andreas Steiner, sowie der evangelikale Publizist und Gemeindeleiter, Lothar Gassmann (Pforzheim), porträtiert. Der „protestantische Bibeltreue“ und der „traditionalistische Piuspriester“ hätten zahlreiche Gemeinsamkeiten: „Lothar Gassmann nimmt die Bibel wortwörtlich. Für ihn steht sie im Mittelpunkt des Glaubens. Bei Pius-Bruder Andreas Steiner steht die Kirche im Mittelpunkt seines geistlichen Lebens.“ Im Alltag folgten beide strengen Regeln, lebten sehr diszipliniert. Gemeinsam sei beiden auch „ihre anti-moderne, vordemokratische Sicht auf Staat und Gesellschaft“. Die Kernforderung der Aufklärung, Menschen sollten selbständig und kritisch denken, finde in den Gedankengebäuden von Gassmann und Steiner keinen Platz. So seien „Piusbruder Steiner und der extreme Evangelikale Gassmann“ auch gegen die Trennung von Staat und Kirche: „Beide finden, dass die christlichen Kirchen viel zu wenig Einfluss haben auf die säkulare Gesellschaft.“ Beide teilten die Welt in Gut und Böse ein. Während die Pius-Bruderschaft „zum äußersten rechten Rand des katholischen Spektrums“ gehöre, zähle Gassmann zum „äußersten rechten Rand des evangelikalen Spektrums“. Die von ihm ins Leben gerufene Bibelgemeinde Pforzheim gehöre nicht zur Deutschen Evangelischen Allianz, „in der sich sehr viele moderate Konservative zusammengeschlossen haben“.

Kirchliche Weltanschauungsbeauftragte: „Ein schreckliches Weltbild“

Auch die ablehnende Haltung dem Islam gegenüber eine die beiden „Außenseiter“, heißt es in dem Beitrag: „Laut Steiner und Gassmann gibt es jeweils nur einen Weg zu Gott. Deswegen betrachten sie auch den Islam nicht als Heilsweg.“ Nach Ansicht der Weltanschauungsbeauftragten der württembergischen Landeskirche, Annette Kick (Stuttgart), unterstützt Gassmann damit „islamfeindliche Tendenzen“. Ähnliches gelte für Fragen der Moral, wie etwa beim Thema Abtreibung. Schwangerschaftsabbrüche würden von allen Christen als problematisch gesehen, so Frau Kick, „weil ja tatsächlich ein beginnendes menschliches Leben abgetötet wird“. Es sei nur so, „wie bei allem bei den Fundamentalisten, dass es nicht diskutierbar ist“. Gerade wenn Kinder in Gemeinden, wie Gassmanns Bibelgemeinde Pforzheim sozialisiert würden, halte sie das für „sehr gefährlich“. Wer im Einfluss solcher Prediger stehe, habe ein „absolut schreckliches Weltbild, schwarz weiß“. Er empfinde alles, was ihm begegnet und nicht direkt zu seinem Glauben gehöre, als beängstigend. Zudem habe er stets eine Trennung von „rein und unrein“ im Hinterkopf. Die Neigung, depressiv zu werden, sei „sehr groß in diesen Gruppen“.