24. Oktober 2017

Katrin Göring-Eckardt: Spitzenamt in Kirche und Partei?

Quelle: idea.de

Katrin Göring-Eckardt, die Präses der EKD-Synode, will mit aller Kraft die jetzige Regierung ablösen. Deshalb will sie sich um einen Platz in einem „Spitzenteam“ der Partei Bündnis 90/Die Grünen bemühen. Ist ein solches Spitzenamt mit ihrer Funktion als Präses vereinbar?

Berlin (idea) – Ist es vereinbar, dass Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt neben ihrer Funktion als Präses der EKD-Synode ein Spitzenamt bei Bündnis 90/Die Grünen anstrebt? Diese Frage stellen sich Beobachter nach der Ankündigung der Politikerin, sich um einen Platz in einem „Spitzenteam“ der Partei für die Bundestagswahl 2013 zu bewerben. Was im Falle einer Wahl aus ihrem kirchlichen Präsesamt würde, das sie seit 2009 inne hat, ist noch unklar, erfuhr die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) auf Anfrage. Göring-Eckardt erklärt auf ihrer Internetseite: „Unser gemeinsames Ziel ist es, 2013 die schwarz-gelbe Regierung abzulösen. Für dieses Ziel brauchen wir unsere gesamte Energie. Für dieses Ziel will ich mit aller Kraft und allen meinen Möglichkeiten in einem grünen Spitzenteam kämpfen.“ Für sie gelte: „Ich trete gern in einem Team an, das alle unsere Stärken zusammen bringt, das unsere Schwächen minimiert und so viele Menschen wie möglich anspricht und überzeugen kann für den Politikwechsel, für uns Grüne zu stimmen.“ Es komme „nicht darauf an, wie viele Menschen unsere Politik herausgehoben vertreten, sondern, dass sie es gut machen und sich gegenseitig ergänzen“.

Über Urwahl wird Anfang September entschieden

Damit wendet sich auch Göring-Eckardt gegen ursprüngliche Pläne der Grünen, mit nur zwei Spitzenkandidaten anzutreten. Nach aktuellem Stand wollen neben ihr Fraktionschef Jürgen Trittin, Parteichefin Claudia Roth und die Fraktionschefin Renate Künast an die Spitze. Ob es zu einer Urwahl der Parteiführung kommt, soll ein Kleiner Parteitag Anfang September bestimmen. Beim Bundesparteitag der Grünen am 16. November in Hannover könnte dann entschieden werden, wer die Grünen 2013 in den Bundestagswahlkampf führt.

EKD: Göring-Eckardt hat politisches und kirchliches Engagement gut verbunden

Wie EKD-Pressesprecher Reinhard Mawick (Hannover) auf idea-Anfrage sagte, sei eine Diskussion darüber, ob Frau Göring-Eckardt im Falle einer Wahl ihr Amt als Präses der EKD-Synode niederlegen würde, derzeit rein hypothetisch: „Die Frage stellt sich im Moment einfach noch nicht.“ Allerdings habe Göring-Eckardt in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass sich kirchliches und politisches Engagement durchaus verbinden lasse, ohne beides zu vermischen. Die 46-Jährige stammt aus einem christlichen Elternhaus und besuchte die Christenlehre und die Junge Gemeinde. In Leipzig studierte sie Theologie und engagierte sich während der friedlichen Revolution bei „Demokratie Jetzt“ und „Bündnis 90“. Für Bündnis 90/Die Grünen zog Göring-Eckardt 1998 in den Bundestag ein, war von 2002 bis 2005 Fraktionsvorsitzende und ist seit 2005 Vizepräsidentin des Parlaments. Seit 2003 gehört sie zur EKD-Synode.