17. Oktober 2017

Hamburg: Bald evangelisch-islamischer Religionsunterricht?

Quelle: idea.de

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz. Foto: PR

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz. Foto: PR

Als erstes Bundesland plant Hamburg einen Staatsvertrag mit islamischen Gemeinden. Er soll den 130.000 in Hamburg lebenden Muslimen und Aleviten ihre Rechte und Pflichten bestätigen und ihnen den „Platz in der Mitte der Gesellschaft einräumen“, sagte Bürgermeister Olaf Scholz (Foto).

Hamburg (idea) – Als erstes Bundesland möchte Hamburg eine Art Staatsvertrag mit drei muslimischen Verbänden sowie der alevitischen Gemeinde schließen. Sie sollen den 130.000 in Hamburg lebenden Muslimen und Aleviten ihre Rechte und Pflichten bestätigen und ihnen den „Platz in der Mitte der Gesellschaft einräumen“, sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bei der Vorstellung des Vertragswerkes am 14. August in der Freien und Hansestadt. Der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen sei „ein Signal der Bereitschaft zu einem kooperativen Miteinander“. Der Vertrag regelt unter anderem den Religionsunterricht. So ist ein gemeinsamer Religionsunterricht für evangelische und muslimische Kinder vorgesehen. Neu wäre, dass dabei auch muslimische und alevitische Lehrer eingesetzt werden können. Bisher wird der „Religionsunterricht für alle in evangelischer Verantwortung“ – wie das Hamburger Modell offiziell heißt – ausschließlich von evangelischen Lehrkräften erteilt; die katholische Kirche beteiligt sich nicht daran. Bischöfin Kirsten Fehrs (Hamburg) erklärte dazu: „Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland hat sich bereit erklärt, gemeinsam mit den Muslimen und Aleviten das Hamburger Modell des ‚Religionsunterrichts für alle in evangelischer Verantwortung’ weiter zu entwickeln und nach Formen gleichberechtigter Verantwortung zu suchen.“

Vertrag soll im Herbst beschlossen werden

Desweiteren regelt das Vertragswerk die Anerkennung von drei islamischen Feiertagen, den Bau von Moscheen und die Trägerschaft von Kindertagesstätten. Verhandlungspartner des Senats waren die drei größten muslimischen Vereine: Schura (Rat der islamischen Gemeinschaften), die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) und der Verband der Islamischen Kulturzentren. Vierter Partner ist die alevitische Gemeinschaft mit rund 30.000 Mitgliedern. Noch in diesem Herbst soll der Vertrag in der Bürgerschaft beraten und beschlossen werden.

Kirchen begrüßen Regelungen

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland und das Erzbistum Hamburg begrüßten das Vorhaben. Bischöfin Fehrs und Weihbischof Hans-Jochen Jaschke sehen in ihm eine Fortführung der langjährigen guten Beziehungen der Stadt zu ihren muslimischen und alevitischen Bürgern. „Die Verträge schaffen Sicherheit und Verlässlichkeit für beide Seiten. Muslime und Aleviten sind mit ihren Rechten und Pflichten in Hamburg zu Hause. Sie tragen zur Gestaltung des Lebens in unserer Stadt bei und erfahren öffentliche Anerkennung“, erklärten sie. Hamburg sei geprägt durch seine christliche Tradition und Kultur und habe gerade deshalb gelernt, eine weltoffene und tolerante Stadt zu sein, die den Religionen Raum gibt. Die guten Erfahrungen des langjährigen interreligiösen Dialoges in Hamburg machten zudem zuversichtlich, dass die Vereinbarungen der Verträge zukünftig mit Leben gefüllt werden. Darüber hinaus würden sie einen Beitrag dazu leisten, das interreligiöse Miteinander in Hamburg zu fördern.