23. Oktober 2017

Religion ist bei Olympia immer dabei

Quelle: idea.de

Die Spiele der XXX. Olympiade finden vom 27. Juli bis 12. August in London statt. Logo: PR

Die Spiele der XXX. Olympiade finden vom 27. Juli bis 12. August in London statt. Logo: PR

In der Antike ging es um Zeus, heute sind alle Religionen vertreten – der Glaube hat bei Olympia immer eine große Rolle gespielt. Die Organisatoren achten sehr aufmerksam auf religiöse Befindlichkeiten. Glaubensbekundungen sind im Olympiagelände nicht gern gesehen.

London (idea) – Natürlich steht bei den Olympischen Spielen der Sport im Vordergrund. Aber von Beginn an hat auch die Religion eine große Rolle gespielt. Das gilt noch immer – auch für die Spiele der XXX. Olympiade, die vom 27. Juli bis 12. August in London stattfinden. Dazu reisen 10.500 Athleten und aus 204 Nationen an. Hinzu kommen etwa 6.500 Sportfunktionäre, 40.000 Journalisten und 110 Staatsoberhäupter. Alle Weltreligionen werden dort vertreten sein. Und auch Olympia selbst trägt religiöse Züge.

Götter, Hymnen, Rituale

Die ersten Olympischen Spiele, die im Jahr 776 vor Christus im antiken Griechenland abgehalten wurden, waren dem Hauptgott Zeus geweiht. Die Verbindung von Sport und heidnisch-religiöser Verehrung veranlasste den christlichen Kaiser des römischen Weltreichs Theodosius I. (347-395) dazu, die Olympischen Spiele im Jahr 393 zu verbieten. Erst der Franzose Pierre de Coubertin (1863-1937) ließ sie im Jahr 1896 in Athen wieder aufleben. Auch er integrierte quasi-religiöse Elemente in die Sportwettkämpfe wie Hymnen und Zeremonien. Das setzt sich bis heute fort. So tragen die Goldmedaillen seit 1928 das Bild der griechischen Siegesgöttin Nike.

Muslimische Sportler: Fasten oder nicht fasten?

Bei den aktuellen Olympischen Spielen achten die Organisatoren sehr aufmerksam auf religiöse Befindlichkeiten. Glaubensbekundungen sind im Olympiagelände nicht gern gesehen, aber es gibt im Olympischen Dorf ein multi-religiöses Zentrum und in jeder Wettkampfstätte einen Gebetsraum. Manche Athleten sind hin und hergerissen zwischen Glauben und Sport. Das gilt in diesem Jahr besonders für Muslime, denn die Sommerspiele fallen in den Fastenmonat Ramadan, in dem Gläubige von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht essen und trinken sollen. Muslimische Gelehrte in Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten haben ihren Olympiateilnehmern Ausnahmeregelungen zugestanden. Sie dürfen zu einem späteren Zeitpunkt fasten. Einige werden davon Gebrauch machen, andere nicht, berichtet die ökumenische Nachrichtenagentur ENInews (Genf). Erstmals entsenden die islamisch geprägten Länder Saudi-Arabien, Katar und Brunei Frauen als Olympiateilnehmer.

Sportpfarrer in ideaFernsehen: Medaillen sind nicht alles

Manche gläubigen Juden und Christen stehen vor dem Dilemma, ob sie am wöchentlichen Ruhetag, dem Sabbat oder dem Sonntag, zu Wettkämpfen antreten sollen. Insgesamt sind 193 Sportseelsorger bei den Olympischen Spielen in London akkreditiert. Drei sind für die 392 Athleten, ihre Trainer, Betreuer und Funktionäre aus der Bundesrepublik zuständig: die evangelischen Pastoren Thomas Weber und Christian Bode sowie der katholische Priester Hans-Gerd Schütt. Wie Weber in ideaFernsehen sagte, sei der Leistungsdruck enorm groß. Oft werde schon ein vierter Platz als „Katastrophe“ gewertet. Er wünsche sich, dass die Sportler als Menschen wahrgenommen würden. Gott messe seine Geschöpfe nicht an ihrer Leistung, sondern – wie der Apostel Paulus schreibe: „Aus Gottes Gnade sind wir, was wir sind.“

Landesbischof: Signal für friedliches Miteinander

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister weist in einem Grußwort darauf hin, dass nicht „der Sieg mit allen Mitteln“ die Idee von Olympia sei, sondern der friedliche Wettstreit. Daher wünsche er allen Athleten die Erfahrung einer weltweiten friedlichen Gemeinschaft. Dies könne ein Signal für das Miteinander von Völkern, Kulturen und Religionen auf der ganzen Welt sein.

Bibeln für Sportler

Eine Broschüre mit dem Titel „Mittendrin“ geben die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die EKD allen deutschen Olympiateilnehmern an die Hand. Sie will den Hochleistungssportlern und ihren Teams vom Training bis zu den Wettkämpfen Momente der Ruhe schaffen, um neue Kraft zu schöpfen. Das Heft stelle den Glauben an die eigenen Fähigkeiten und das Vertrauen in Jesus Christus in den Mittelpunkt, erklärt der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), im Geleitwort. Die Deutsche Bibelgesellschaft (Stuttgart) versorgt deutschsprachige Olympiateilnehmer im religiösen Zentrum mit 50 „Gute Nachricht Bibeln“ in modernem Deutsch. Für 3.000 Bibeln in Englisch und 1.000 in anderen Sprachen sorgen andere nationale Mitglieder des Weltverbandes der Bibelgesellschaften (Reading bei London).

Kirchenglocken läuten Olympia ein

Noch vor der offiziellen Eröffnung durch Königin Elizabeth II. wurden die Olympischen Sommerspiele buchstäblich „eingeläutet“. Tausende Kirchenglocken erklangen am Morgen des 27. Juli und luden zum Gebet für das Großereignis ein. Christliche Gemeinden und Organisationen wollen die Gelegenheit auch nutzen, Besucher und Einheimische mit dem Evangelium bekanntzumachen. Christen aus aller Welt begleiten die Olympischen Spiele mit einem missionarischen Großeinsatz. Die größte Initiative ist „More than Gold“ (Mehr als Gold). Allein das internationale Missionswerk „Greater Europe Mission“ (GEM) hat 18 Teams mit rund 400 Christen aus Südafrika, Kanada, den USA und europäischen Ländern zusammengestellt. Auch andere sportmissionarische Werke sind im Einsatz. Außerdem präsentieren sich christliche Künstler auf Straßen und Plätzen. Fast 700 Auftritte von Musikern, Tänzern und Malern sind allein für London geplant. Kirchengemeinden heißen zudem Olympiatouristen in ihren Räumen willkommen.