20. Oktober 2017

Pastor Nadarkhani seit 1.000 Tagen in Haft

Quelle: idea.de

Der iranische Pastor Youcef Nadarkhani ist seit 1.000 Tagen in Haft. Foto: PR

Der iranische Pastor Youcef Nadarkhani ist seit 1.000 Tagen in Haft. Foto: PR

Seit genau 1.000 Tagen ist der iranische Pastor Youcef Nadarkhani (Foto) in Haft. Sein Schicksal erfüllt Christen in aller Welt weiterhin mit Sorge. Der 34-jährige frühere Leiter einer Untergrundgemeinde wurde wegen „Abfalls vom Islam“ und „Verbreitung nicht-islamischer Lehren“ zum Tode verurteilt und sitzt in einem Gefängnis in Rascht ein.

Teheran/Rascht (idea) – Das Schicksal des iranischen Pastors Youcef Nadarkhani erfüllt Christen in aller Welt weiterhin mit Sorge. Am 8. Juli befindet sich der 34-Jährige seit genau 1.000 Tagen in Haft. Der frühere Leiter einer Untergrundgemeinde wurde wegen „Abfalls vom Islam“ und „Verbreitung nicht-islamischer Lehren“ zum Tode verurteilt und sitzt in einem Gefängnis in Rascht ein. Nun könnten Nadarkhani sogar neue Klagen drohen. Wie der Nachrichtendienst Assist News (Lake Forest/US-Bundestaat Kalifornien) berichtet, könnte er wegen „Blasphemie“ und „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ angeklagt werden. Die zuständigen Richter hätten entsprechende Anweisungen bekommen, um das Urteil gegen ihn auf diese Weise „akzeptabler“ für die breite Öffentlichkeit zu machen. Der Prozess sei für Anfang September angesetzt. Viermal sei Nadarkhani angeboten worden, die Vorwürfe gegen ihn fallen zu lassen, wenn er sein Bekenntnis zum christlichen Glauben widerrufe. Das habe er jedoch abgelehnt.

Menschrechtler und Politiker fordern Freilassung

Menschenrechtler und Politiker in aller Welt setzen sich für die Freilassung Nadarkhanis ein. Im April hatten das Bundeskanzleramt und das Auswärtige Amt in Berlin den iranischen Botschafter, Scheich Reza Attar, einbestellt und ihm „die dringende Aufforderung“ übermittelt, dass Teheran auf die Vollstreckung des Todesurteils verzichte. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hatte sich wiederholt für Nadarkhanis Freilassung stark gemacht. Die Anschuldigungen des „Abfalls vom islamischen Glauben“ und der „Verbreitung nicht-islamischer Lehren“ rechtfertigten keine Strafe – schon gar nicht die Todesstrafe. Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), hatte den Iran zur Freilassung Nadarkhanis aufgerufen und mehrfach an die völkerrechtliche Verpflichtung erinnert, das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu achten. Attar bestritt jedoch, dass Nadarkhani zum Tode verurteilt sei oder ihm die Hinrichtung drohe. Das Verfahren laufe noch. Dem Pastor werde lediglich unter anderem vorgeworfen, eine ungenehmigte Hauskirche gegründet zu haben, so Attar.

Iran besorgt über Ausbreitung von Hauskirchen

Unterdessen macht sich unter führenden Muslimen im Iran Sorge über die wachsende Zahl christlicher Hauskirchengemeinden breit. Einem Bericht der christlichen iranischen Nachrichtenagentur „Mohabat News“ zufolge wollten sie deshalb die „islamische Propaganda“ in der Bevölkerung verstärken. Besonders Familien sollten nachhaltiger mit den religiösen Lehren des Islam versorgt werden. Das sei der „effektivste Weg“, um den Islam in der Gesellschaft zu verankern. Einen führenden Islamgelehrten zitiert die Agentur mit den Worten, christliche Evangelisationsversuche hingegen müssten im Iran „ausgemerzt“ werden. So wundere es nicht, so die Agentur weiter, dass die Zahl der Drohungen und Verhaftungen von Christen im Iran zunehme.