21. Oktober 2017

Arbeit ist „Gottesdienst im Alltag“

Quelle: idea.de

Der Vorsitzende der Deichmann-Geschäftsführung, Heinrich Deichmann. Foto: PR

Der Vorsitzende der Deichmann-Geschäftsführung, Heinrich Deichmann. Foto: PR

„Wirtschaft ist kein moralfreier Raum.“ Das sagte der Vorsitzende der Deichmann-Geschäftsführung, Heinrich Deichmann (Foto), auf der Tagung „Wirtschaftsethik in den Weltreligionen“ in Paderborn. Deichmann betonte vor rund 600 Teilnehmern, dass „auf der ethischen Orientierung seines Unternehmens ein großer Segen liege.“

Paderborn (idea) Mehr als 3.000 Filialen, mehr als 20 Länder und mehr als 150 Millionen Paar verkaufte Schuhe in 2011 – die Zahlen von Deichmann stehen für Wachstum. Dieses Wachstum führt der Vorsitzende der Deichmann-Geschäftsführung, Heinrich Deichmann (Essen), auch auf die christliche Ethik seines Unternehmens zurück. „Wirtschaft ist kein moralfreier Raum“, sagte Schuhhändler Deichmann auf der Tagung „Wirtschaftsethik in den Weltreligionen“ vom 28. bis 30. Juni in Paderborn. Bei der vom Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften (ZeKK) an der Universität Paderborn organisierten Tagung mit rund 600 Teilnehmern betonte Deichmann, dass „auf der ethischen Orientierung seines Unternehmens ein großer Segen liege.“ Der gläubige Schuhhändler sieht seine rund 14.000 Mitarbeiter allein in Deutschland als „Geschöpfe Gottes“. Ihm sei es wichtig, dass sein Unternehmen dem Menschen diene. Arbeit bezeichnete Deichmann als „Gottesdienst im Alltag“. Das Essener Unternehmen würdige die Arbeit seiner Mitarbeiter, indem es übertarifliche Löhne zahle, eine ausschließlich vom Unternehmen finanzierte Betriebsrente gewähre und eine Unterstützungskasse ins Leben gerufen habe. Sie helfe Mitarbeitern, die unverschuldet in Notlagen geraten seien. „Wir haben alle Aushilfsjobs abgeschafft und beschäftigten ausschließlich sozialversicherungspflichtig Beschäftigte“, sagte Deichmann stolz. Den Niedergang der Drogeriemarktkette Schlecker führte er auch darauf zurück, dass das Unternehmen „dauerhaft die Interessen seiner Mitarbeiter vernachlässigt“ habe. Die derzeitige Wirtschaftskrise sei für ihn noch lange nicht ausgestanden. Deichmann weiter: „Wirtschaft ohne Ethik kann kein tragfähiges und nachhaltiges Modell für die Wirtschaft sein.“ Ein Vorbild könnte der christliche Glaube sein.

Professor Hengsbach: „Die Deutsche Bank gehört zerschlagen.“

„Wir brauchen einen richtigen Schuldenschnitt“, forderte der Professor für christliche Gesellschaftsethik an der Hochschule Sankt Georgen (Frankfurt am Main), Friedhelm Hengsbach. Die Staaten, so Hengsbach, würden immer noch vorrangig die Forderung der Gläubiger im Blick haben. Bezogen auf Griechenland kritisierte der Sozialethiker in seinem Vortrag „Ein globales Finanzregime unter dem Anspruch der Gerechtigkeit“, dass Griechenland vorgeschrieben werde, wie es regieren müsste. Hengsbach forderte stattdessen faire Verträge für Griechenland. Sie müssten auf gleicher Augenhöhe abgeschlossen werden. Der Frankfurter Wissenschaftler machte sich für eine neue gesellschaftliche Verständigung über Gerechtigkeit stark. Dazu zählte er beispielsweise „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Europa bräuchte seiner Meinung nach eine Investitionsbank, einen Finanz-TÜV sowie eine Kreditobergrenze und schärfere Haftungsauflagen. Der Sozialethiker warnte vor der Macht der Banken: „Die Deutsche Bank gehört zerschlagen, weil sie den deutschen Staat erpresst.“