21. August 2017

Württemberg: „Höllen-Engel“ heiraten in Kirche

Quelle: idea.de

Foto: Thomas Schneider

Foto: Thomas Schneider

Ein prominentes Mitglied der Rocker-Vereinigung Hells Angels möchte sich am 16. Juni in der Reutlinger Marienkirche trauen lassen. Das Paar, das vor längerem standesamtlich geheiratet hat, hat mehrere hundert Freunde aus aller Welt eingeladen. Die Polizei ist alarmiert. Für den Reutlinger Dekan Jürgen Mohr (Foto) ist die Hochzeit dennoch nichts Besonderes.

Reutlingen/Stuttgart (idea) – Die Trauung eines prominenten Mitglieds der Rocker-Vereinigung Hells Angels (Höllen-Engel) ist „eine normale kirchliche Handlung“. Das teilten Vertreter der württembergischen Landeskirche der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage mit. Anlass ist die Hochzeit des Präsidenten der Reutlinger Hells Angels, Ingo Dura, und seiner Frau am 16. Juni in der dortigen Marienkirche. Das Paar, das vor längerem standesamtlich geheiratet hat, hat mehrere hundert Freunde aus aller Welt eingeladen. Die Polizei ist alarmiert. Denn nach Ansicht des baden-württembergischen Innenministeriums sind die international agierenden Höllen-Engel mit der Mafia vergleichbar. Die Liste der ihnen angelasteten Verbrechen umfasst Menschenhandel, Drogenschmuggel, Geldwäsche, Waffenverstöße und Morde. Außerdem schmücken die Rocker ihre Kutten gern mit Totenköpfen und satanistischen Symbolen. Für den Reutlinger Dekan Jürgen Mohr ist die Hochzeit dennoch nichts Besonderes: „Wenn jemand einen Traugottesdienst will, ist er nicht antichristlich eingestellt.“ Auch prüfe er nicht, ob jemand kriminell sei. Bis zum Erweis des Gegenteils gelte die Unschuldsvermutung. Kleidervorschriften mache er ebenfalls nicht. Der Sprecher der Landeskirche, Oliver Hoesch (Stuttgart), erklärte, dass Kirchenmitglieder ein Recht auf eine kirchliche Hochzeit hätten. Im Blick auf die erwarteten Gäste gelte Vers 17 im 2. Kapitel des Markus-Evangeliums. Dort sagt Jesus: „Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.“