19. Oktober 2017

Umstrittene Koran-Verteilung geht weiter

Quelle: idea.de

Exemplar von einer KORAN-Aktion in Leipzig. Foto: Thomas Schneider

Exemplar von einer KORAN-Aktion in Leipzig. Foto: Thomas Schneider

Köln (idea) – Radikale Muslime wollen die umstrittene Koran-Verteilung in Deutschland fortsetzen. Seit April wurden mehr als 300.000 Exemplare hauptsächlich an Ständen in Fußgängerzonen kostenlos abgegeben. Die Idee zu dieser Geschenkaktion stammt von dem Kölner Ibrahim Abu-Nagie, der als einer von Deutschlands führenden Salafisten gilt. Insgesamt sollen 25 Millionen Koran-Ausgaben im deutschsprachigen Europa verteilt werden. Im April musste die Aktion vorübergehend gestoppt werden, weil die Ulmer Druckerei „Ebner & Spiegel“ die Produktion von Koran-Ausgaben mit der Begründung einstellte, man wolle keine extremistischen Weltanschauungen fördern. Am 13. Juni berichtete das Internetportal „Welt Online“ unter Berufung auf ein internes Auftragspapier der Druckerei, dass dennoch weitere 50.000 Exemplare hergestellt und am 19. Juni ausgeliefert würden. Dazu wird es allerdings nicht kommen. Wenige Stunden nach der Veröffentlichung von „Welt Online“ gab die französische Muttergesellschaft der Druckerei bekannt, dass sie ihren Ulmer Geschäftsführer entlassen und die Fertigstellung der Koran-Exemplare untersagt habe. Abu-Nagie zufolge haben die Vorgänge in Ulm keine Auswirkungen auf die Verteilpläne: „Wir machen weiter, bis man es uns verbietet“, sagte er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Die Koran-Ausgaben würden künftig in drei anderen Betrieben hergestellt.

Verfassungsschutz: „Reine Propaganda“

Die Aktion ist nach Ansicht des Bundesamtes für Verfassungsschutz (Köln) „reine Propaganda“ der Salafisten-Bewegung, die den Koran „sehr fundamentalistisch“ auslege. Salafisten treten für die absolute Geltung des islamischen Religionsgesetzes, der Scharia, ein und wollen Staat, Gesellschaft und das Leben des Einzelnen nach ihren Normen umgestalten. Ziel ist in letzter Konsequenz ein Gottesstaat. Die Salafisten haben nach Schätzung des Verfassungsschutzes in Deutschland etwa 3.800 Anhänger. Die Behörde hält insbesondere den „jihadistische Salafismus“ (Jihad steht für Heiliger Krieg) für gefährlich, weil seine Vertreter ihre Ziele durch Gewaltanwendung verwirklichen wollten. Zwar handele es sich bei der großen Mehrzahl der Salafisten in Deutschland nicht um Terroristen. Aber fast alle hierzulande bisher identifizierten terroristischen Netzwerkstrukturen und Einzelpersonen seien salafistisch geprägt bzw. hätten sich in diesem Milieu entwickelt. Der Initiator der Koranverteilung, Ibrahim Abu-Nagie, wird von der Kölner Staatsanwaltschaft beschuldigt, öffentlich zu Straftaten angestiftet und den religiösen Frieden gestört zu haben.