22. November 2017

Tanzt Europa um das „Goldene Kalb“?

Quelle: idea.de

Foto: Dr. Stephan Barth/pixelio.de

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Für eine Rückbesinnung Europas auf seine christlichen Wurzeln plädierte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (Foto) auf der Internationalen Berliner Begegnung. Daran nehmen vom 14. bis 16. Juni 350 Politiker, Diplomaten, Kirchenvertreter und Führungskräfte aus über 40 Ländern Europas, Afrikas, Amerikas und Asiens teil.

Berlin (idea) – Sie gilt als deutsches Pendant zum „Nationalen Gebetsfrühstück“ in den USA: die Internationale Berliner Begegnung. Daran nehmen vom 14. bis 16. Juni 350 Politiker, Diplomaten, Kirchenvertreter und Führungskräfte aus über 40 Ländern Europas, Afrikas, Amerikas und Asiens teil. Für eine Rückbesinnung Europas auf seine christlichen Wurzeln plädierte dabei der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Die gegenwärtige Situation erinnere ihn an den in der Bibel beschriebenen Tanz um das Goldene Kalb: „Es scheint, als seien uns die Bewertungen durch Rating-Agenturen wichtiger als die Werte des Alten und des Neuen Testaments.“ Zwar sei die Stabilität des Euros wichtig, aber die Bedeutung Europas dürfe nicht auf die Wirtschaft reduziert werden. Über Jahrhunderte sei Europa von christlichen Werten geprägt worden. Davon dürfe man sich nicht verabschieden.

Kauder: Weltweit für verfolgte Christen eintreten

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (CDU), sagte, dass ihn die Verfolgung bedrängter Religionsgruppen in aller Welt besonders bewege. Christen seien die am stärksten verfolgte religiöse Gruppe weltweit und hätten Solidarität und Unterstützung verdient. So wie Muslime in Deutschland selbstverständlich Moscheen errichten dürften, erwarte er, dass Christen auch in muslimisch geprägten Ländern Kirchen bauen dürften. Die Kirchenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Griese, die stellvertretend für den Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier teilnahm, erklärte, die weltweit zunehmende Christenverfolgung beunruhige sie sehr. Christen sollten sich daher für Religionsfreiheit in aller Welt einsetzen. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats Süd Carolina, David Beasley, ermutigte die Teilnehmer der Veranstaltung dazu, sich an der Lehre Jesu zu orientieren, Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. Zwar sei die Welt heute reicher und technisch vernetzter als je zuvor. Gleichzeitig seien so viele Menschen einsam und verzweifelt wie nie zuvor. „Wenn wir ein Land verändern wollen, müssen wir den Namen Jesu erheben“, erklärte er. In seinen Augen bietet die Lehre Jesu ein großes Potenzial, die Welt friedlicher und besser zu machen.

Staatssekretär: Missionsauftrag nicht vernachlässigen

Der Staatssekretär des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Hans-Jürgen Beerfeltz (FDP), kritisierte, dass sich die Kirchen immer mehr aus der Mitte der Gesellschaft zurückzögen. Er habe den Eindruck, dass sich manche Gemeinden regelrecht vor dem Missionsauftrag fürchteten. Der müsse aber Kern ihres Auftrags bleiben. Ein Großteil der Gesellschaft lechze geradezu nach Sinnangeboten. Dieses Feld dürften die Kirchen nicht kampflos der Esoterik überlassen.

Bundeskanzlerin schickt Grußwort

In einem schriftlichen Grußwort würdigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Internationale Berliner Begegnung als Initiative, die auf Offenheit und den Dialog zwischen den Kulturen setze. „Deshalb begrüße ich es, dass die Internationale Berliner Begegnung über Ländergrenzen hinweg den Austausch über gemeinsame Werte und Überzeugungen fördert.“ Damit leiste sie einen wesentlichen Beitrag zu Integration und Verständigung nicht nur in Deutschland. Weltweit gibt es die ursprünglich aus den USA stammende Gebetsfrühstücksbewegung inzwischen in mehr als 180 Staaten. Nach Deutschland geholt hat die Idee 1979 der frühere baden-württembergische Landtagsabgeordnete Rudolf Decker (Böblingen) zusammen mit dem Verleger Friedrich Hänssler (Holzgerlingen bei Stuttgart). Mittlerweile gibt es Frühstückstreffen in acht deutschen Landtagen.