22. November 2017

Religiöse Verfolgung treibt viele in die Flucht

Quelle: idea.de

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Afghanistan und dem Irak. Foto: PR

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Afghanistan und dem Irak. Foto: PR

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Afghanistan, dem Irak und Somalia. Das geht aus den Weltflüchtlingszahlen 2011 hervor, die das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen veröffentlicht hat. Alle diese Länder sind islamisch dominiert und gehören zu den Staaten, in denen religiöse Minderheiten verfolgt werden, insbesondere Christen.

Genf/Frankfurt am Main (idea) – Die zunehmende Zahl von Kriegs- und Krisenherden macht sich auch bei der Zahl der Flüchtlinge bemerkbar. Hinzu kommt religiöse Verfolgung. Im Jahr 2011 waren mehr als 800.000 Menschen gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen – so viele wie noch nie seit dem Jahr 2000. Dieser traurige Rekord geht aus der am 18. Juni veröffentlichten Statistik des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) in Genf hervor. Betroffen sind vor allem der Mittlere Osten und das nördliche Afrika. Die meisten Flüchtlinge kommen aus Afghanistan (2,7 Millionen), dem Irak (1,4 Millionen) und Somalia (1,1 Millionen). Alle diese Länder sind islamisch dominiert und gehören zu den Staaten, in denen religiöse Minderheiten verfolgt werden, insbesondere Christen. Nach Angaben der UNHCR bleiben vier Fünftel aller Flüchtlinge in den Nachbarländern, zum Beispiel in Pakistan (1,7 Millionen), im Iran (886.500), in Kenia (566.500) und im Tschad (366.500). Deutschland hat von allen Industrieländern die meisten Flüchtlinge aufgenommen, nämlich 571.700. Weltweit waren im vergangenen Jahr insgesamt 42,5 Millionen Menschen auf der Flucht. UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres zeigte sich betroffen von der Entwicklung: „Seit zehn Jahren habe ich nun schon dieses Amt inne, doch so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ 2011 sei geprägt gewesen „von Leid epischen Ausmaßes“. Als Beispiele für Krisenländer, die zum Anschwellen des Flüchtlingsstroms beitrugen, nannte Guterres unter anderem Libyen, Jemen, Syrien und die Länder am Horn von Afrika.

Wo Christen systematisch vertrieben werden

Wie der Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, Martin Lessenthin (Frankfurt am Main), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage sagte, trügen die Verfolgung religiöser und ethnischer Minderheiten maßgeblich zu Flucht und Vertreibung bei: „So werden Christen systematisch aus dem Irak hinausgedrängt. Ihr Anteil an der Bevölkerung wird immer geringer.“ Nach Schätzungen ist dort die Zahl der Christen seit dem Jahr 2003 von 1,3 Millionen auf unter 300.000 gesunken. Unter Vertreibungs- und Emigrationsdruck leiden laut Lessenthin auch christliche Kopten in Ägypten. Von ihnen hätten im vergangenen Jahr etwa 100.000 das Land verlassen, weil sie keine Perspektive mehr für sich sähen. In Syrien müssten Christen vor Kampfhandlungen fliehen oder würden durch Aufständische vertrieben, weil sie als Günstlinge des Assad-Regimes angesehen würden.