18. November 2017

Kirche wird muslimisches Zentrum

Quelle: idea.de

Der Gemeindesaal der evangelisch-methodistischen Kirche im Mönchengladbacher Stadtteil Rheydt wurde in ein Cem-Haus umgebaut. Foto: PR/Gisela Thimm

Der Gemeindesaal der evangelisch-methodistischen Kirche im Mönchengladbacher Stadtteil Rheydt wurde in ein Cem-Haus umgebaut. Foto: PR/Gisela Thimm

Wo bislang zu Jesus Christus gebetet wurde, wird künftig der Prophet Mohammed verehrt. Zum ersten Mal wurde eine evangelische Kirche in ein muslimisches Zentrum umgewandelt. Die Aleviten im Mönchengladbacher Stadtteil Rheydt haben die dortige Kreuzkirche der Evangelisch-methodistischen Kirche übernommen.

Mönchengladbach (idea) – Erstmals ist in Deutschland eine Kirche in ein alevitisch-muslimisches Versammlungshaus umgewandelt worden. Die Aleviten im Mönchengladbacher Stadtteil Rheydt haben die dortige Kreuzkirche der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) übernommen. Wo bislang zu Jesus Christus gebetet wurde, werden künftig der Prophet Mohammed und sein Gefährte Ali verehrt. Das sogenannte Cem-Haus – Aleviten nennen ihr Versammlungshaus nicht Moschee – wurde am 2. Juni eingeweiht. An der Feier nahmen neben rund 100 alevitischen Muslimen auch Methodisten teil. Bislang waren sich die Kirchen in Deutschland einig, aufgegebene Kirchengebäude nicht an islamische Gemeinden abzugeben. Wie der zuständige Superintendent der EmK, Rainer Bath (Dortmund), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, sei der Verkauf der Kirche an die Aleviten „kein Tabubruch“. Der Beschluss dazu sei bereits im Frühjahr 2010 gefallen. Die EmK habe zwar vorrangig mit christlichen Gemeinschaften über einen Verkauf verhandelt, doch es sei in keinem Fall zu einem konkreten Kaufangebot gekommen. Dies bedauerte Bath, verwies aber zugleich auf die seit Jahren bestehenden intensiven Kontakte zu den Aleviten. Der letzte Gottesdienst der wegen Mitgliedermangel aufgelösten EmK-Gemeinde Rheydt wurde am 21. Juni 2009 in der Kreuzkirche gefeiert.

EmK: Kirchenverkauf an Muslime ein „Einzelfall“

Nach Angaben Baths unterscheiden sich Aleviten von anderen muslimischen Glaubensgemeinschaften besonders bei ethischen Grundsätzen. So betonten sie das Liebesgebot und die Gleichstellung von Mann und Frau. Außerdem beachteten sie die Menschenrechte. Den Beschluss, das Kirchengebäude an die Aleviten zu veräußern, bezeichnete der Superintendent als „Einzelfall-Regelung“. Der Pressesprecher der Freikirche, Klaus Ulrich Ruof (Frankfurt am Main), sagte gegenüber idea, die EmK verkaufe ihre Kirchen nicht einfach an Muslime: „Man muss sehr genau hinschauen.“ Die EmK hat in Deutschland 55.500 Mitglieder und Angehörige. Die Zahl der Aleviten hierzulande wird auf rund 600.000 geschätzt. Ihr Name bezieht sich auf Ali, den Schwiegersohn des Propheten Mohammed, den die Aleviten gemeinsam mit den Schiiten als ersten legitimen Kalifen anerkennen. Nach Angaben der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (Berlin) betrachten die Aleviten den Koran nicht als Wort Gottes, sondern als durch die Sunniten manipuliert. Die islamische Gesetzgebung, die Scharia, lehnen sie ab. Die Aleviten wurden in der Geschichte wiederholt heftig verfolgt und sind bis heute in der Türkei nicht als eigenständige Religion anerkannt.