19. Oktober 2017

Israel: Geteiltes Echo auf Gauck-Reise

Quelle: idea.de


Die erste Israel-Reise von Bundespräsident Joachim Gauck fand in Deutschland viel Beachtung. Der Staatsbesuch wird von den meisten Medien positiv bewertet. Auch die EKD zieht ein positives Fazit. Zurückhaltung äußern dagegen die christlichen Israel-Freunde.

Berlin/Rossau (idea) – Die Israel-Reise von Bundespräsident Joachim Gauck hat ein unterschiedliches Echo in kirchlichen Kreisen ausgelöst. Während die EKD wie die meisten Medien Gaucks Bekenntnis zum Existenzrecht Israels, das Eintreten für eine Zwei-Staaten-Lösung und die Kritik an der Siedlungspolitik begrüßen, äußern sich christliche Israel-Freunde eher zurückhaltend. Gauck hatte bei seinem Besuch vom 28. bis 31. Mai mehrmals versichert, Deutschland stehe an der Seite Israels, wenn andere die Sicherheit und die Existenz Israels infrage stellten. Allerdings wiederholte der Bundespräsident nicht die Aussage von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrem Israel-Besuch im Jahr 2008, das Existenzrecht Israels gehöre zur deutschen „Staatsräson“. Damit hatte sie indirekt die Bereitschaft bekundet, Israel im Kriegsfall militärisch beizustehen. „Es gibt noch andere Worte, um das enge Zusammenstehen von Deutschland und Israel auszudrücken“, sagte Gauck nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Der Bundespräsident zeigte sich überzeugt, dass die Freundschaft zwischen beiden Ländern nicht dadurch getrübt werde, dass es in einigen Punkten unterschiedliche Ansichten gebe.

EKD-Bevollmächtigter unterstützt Gauck-Positionen

Der EKD-Bevollmächtigte bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, Prälat Bernhard Felmberg (Berlin), beurteilt Gaucks Israel-Besuch positiv. Der Bundespräsident habe keinen Zweifel daran gelassen, dass Deutschland fest an der Seite Israels stehe und dass das Existenzrecht dieses Staates für die deutsche Politik bestimmend sei. Dies entspreche der Haltung der EKD, die ebenfalls eine besondere Solidarität mit Israel betone und um ihre Verantwortung für die Existenz Israels wisse. Das werde sich nicht ändern, sagte Femberg der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage. Darüber hinaus habe der Bundespräsident deutlich gemacht, dass Frieden im Nahen Osten einen unabhängigen Staat Palästina voraussetze. Dies sei die derzeit einzige Möglichkeit für eine friedliche Koexistenz des israelischen und des palästinensischen Volkes. Außerdem würdigt Felmberg, dass der Bundespräsident „auf kluge Weise um eine Änderung der Siedlungspolitik Israels gebeten“ habe. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland lobte das Auftreten Gaucks in Israel. Er habe Deutschland „glänzend“ vertreten, erklärte der Vorsitzende des Zentralrates, Dieter Graumann (Frankfurt am Main).

Israel-Freunde: „Das Problem sind terroristische Palästinenser“

Kritischer äußert sich der Geschäftsführer der Sächsischen Israel-Freunde, Wilfried Gotter (Rossau). Nach seinen Worten ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sich deutsche Politiker zum Existenzrecht Israels bekennen. Das Problem des Nahen Ostens sei aber weder die Existenz Israels noch israelische Siedlungen im Westjordanland, sondern „dass terroristische Palästinenser den Staat nicht anerkennen“, sagte Gotter gegenüber idea. Wenn es der deutschen Regierung ernst sei, Israel vor seinen Feinden zu schützen, müsse sie die technischen und wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran unterbinden. Ohne deutsche Hilfe könne der Iran sein Atomprogramm nicht fortführen. Gotter kritisiert auch Gaucks Forderung nach einer Zwei-Staaten-Lösung. Als evangelischer Theologe müsse der Bundespräsident wissen, dass die Bibel nicht von einem Palästinenser-Staat spreche, sondern nur von dem Land Israels westlich des Jordan-Flusses. Umfragen unter den Palästinensern zeigten zudem, dass die Mehrheit keinen eigenen Staat anstrebe. Zugleich würdigte Gotter Gaucks Treffen mit Holocaust-Überlebenden und Angehörigen von Sportlern, die 1972 bei den Olympischen Spielen in München von Palästinensern ermordet wurden. Damit habe er ein deutliches Zeichen gegen das Internationale Olympische Komitee gesetzt, das Israels Bitte um eine Gedenkminute bei der Eröffnung der diesjährigen Sommerspiele in London abgelehnt hat. Der 1998 gegründete Verein der Sächsischen Israelfreunde hat 400 eingetragene Mitglieder. Sein Magazin „Zum Leben“ wird von 7.000 Interessierten gelesen. Vorsitzender ist der Dresdner Stadtrat Lothar Klein.