21. November 2017

Die Zahl der Selbstmorde wird unterschätzt

Quelle: idea.de

Foto: CFalk/pixelio.de

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London (idea) – Die Zahl der Menschen, die sich selbst töten, wird weltweit deutlich unterschätzt. Bei weiblichen Jugendlichen seien Suizide inzwischen die häufigste Todesursache, bei männlichen Jugendlichen stehe Selbstmord an dritter Stelle hinter Verkehrsunfällen und Gewaltverbrechen. Das haben Wissenschaftler aus mehreren Ländern herausgefunden. Die britische Wissenschaftszeitschrift „The Lancet“ (London)veröffentlicht in ihrer aktuellen Ausgabe mehrere internationale Studien zum Thema Selbstverletzungen und -tötungen. Offiziellen Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge nehmen sich weltweit jedes Jahr fast eine Million Menschen das Leben. Während die Zahl der Suizide in Deutschland seit den 70er Jahren deutlich zurückgegangen ist, stieg sie im weltweiten Durchschnitt nach Angaben der Forscher stark an. In einigen Ländern – darunter Brasilien, Singapur, Litauen und Irland – erhöhten sich die Selbstmordraten vor allem unter jungen Männern deutlich, fand eine Forschergruppe unter Leitung von Alexandra Pitman vom University College London heraus.

Indien: Todesursache Nummer eins bei Frauen

In Indien sei Selbstmord gerade dabei, Todesursache Nummer eins bei Frauen zu werden. Die höchsten Selbstmordraten gibt es dort in der jungen, weiblichen und gebildeten Bevölkerungsgruppe. „Durch Suizid sterben fast genauso viele männliche Inder im Alter zwischen 15 und 29 Jahren wie bei Verkehrsunfällen und fast genauso viele junge Frauen wie durch Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt“, sagte Vikram Patel von der Londoner Schule für Hygiene and Tropenmedizin.

Zugang zu Suizid-Quellen erschweren

Professor Paul Yip von der Universität Hongkong schlägt vor, den Zugang zu möglichen Suizid-Quellen zu erschweren, etwa mit Barrieren an Brücken. „Die meisten Leute glauben: Wer Selbstmord begehen will, der findet ein Mittel.“ Die Forschung zeige aber, dass die Beschränkung des Zugangs, etwa auch zu Giften, die Selbstmordrate signifikant reduzieren könne.