21. August 2017

Christenverfolgung: Urlaub in Unterdrücker-Staaten machen?

Quelle: idea.de

Foto: Leo Köhler/pixelio.de

Foto: Leo Köhler/pixelio.de

Sollte man als Christ die „schönsten Wochen des Jahres“ in Ländern verbringen, in denen Christen verfolgt und diskriminiert werden? Ja, sagt Manfred Müller, Missionsleiter der Hilfsaktion Märtyrerkirche. Christen sollten die „Glaubensfackel“ bis ans Ende der Erde tragen – auch im Urlaub. IGFM-Sprecher Martin Lessenthin rät hingegen davon ab. Die Gefahren für landesunkundige Urlauber, aber auch für diejenigen, die unterstützt werden sollen, seinen zu groß.

Wetzlar (idea) – Was haben die Malediven, Kuba und die Türkei gemeinsam? Diese Länder sind beliebte Urlaubsziele der Deutschen. Zugleich sind es aber auch Staaten, in denen Christen verfolgt oder diskriminiert werden. Sollte man in solchen Ländern „die schönsten Wochen des Jahres“ verbringen? Zwei Menschenrechtsexperten äußern dazu unterschiedliche Meinungen in Beiträgen für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Der Missionsleiter der Hilfsaktion Märtyrerkirche, Manfred Müller (Uhldingen am Bodensee), bejaht die Frage: „Wir regen dazu an, in Länder zu reisen, in denen Christen unterdrückt werden, und sich dabei als ‚touristische Missionare‘ zu verstehen.“ Der Auftrag Jesu Christi sei eindeutig: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur!“ Müller: „Darum sollten eigentlich zehnmal mehr Christen als bislang in diese Staaten reisen und dabei Traktate, Bibeln und andere wertvolle Bücher mitnehmen.“ Der Missionsleiter berichtet über seine jüngsten Erfahrungen bei Begegnungen mit Christen in Nordafrika: „Ihre – aufgrund unseres Besuchs – strahlenden Gesichter stehen mir vor Augen. Welche Stärkung durften sie – und auch ich! – in den gemeinsamen Tagen erleben.“ Müller ruft dazu auf, die „Glaubensfackel“ bis ans Ende der Erde zu tragen – auch im Urlaub. Wichtig sei ferner, für die unterdrückte Gemeinde Jesu zu beten.

IGFM: Sich selbst und Einheimische nicht in Gefahr bringen

Der Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin (Frankfurt am Main), hält es dagegen in den meisten Fällen nicht für sinnvoll, als Urlauber in Länder zu reisen, in denen Christen verfolgt werden: „Man kann als Christ nicht in Vietnam, China oder auf Kuba die Seele baumeln lassen und sich zugleich für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen einsetzen.“ Ohne Kenntnis der Landessprache sollte man keine unkalkulierbaren Risiken eingehen, rät Lessenthin. Zu groß seien die Gefahren für landesunkundige Urlauber, aber auch für diejenigen, die unterstützt werden sollen. Lessenthin zufolge sollten insbesondere evangelistische Einsätze nicht ohne Rücksprache mit Partnern vor Ort erfolgen. Das Auftreten westlicher Ausländer werde in vielen Staaten, in denen Christen diskriminiert werden, sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen. Unpassendes Verhalten verfestige vielfach „das Klischee von ‚den Christen‘ als kulturelle Bedrohung oder ‚fünfte Kolonne‘ (also heimliche Unterstützer) der ‚imperialistischen‘ USA“.