15. Dezember 2017

Wie sollen Christen auf Salafisten reagieren?

Quelle: idea.de

Der Geistliche Vizepräsident der hannoverschen Landeskirche, Arend de Vries. Foto: PR/Jens Schulze

Hannover (idea) – Auf die Koranverteilaktion radikal-islamischer Salafisten in deutschen Großstädten reagiert die hannoversche Landeskirche mit Informationen für ihre Kirchengemeinden. Darin stellt der Geistliche Vizepräsident, Arend de Vries (Hannover), klar, dass die Kirche keine Einwände gegen die kostenlose Verteilung des Korans habe.

Dieser sei die Heilige Schrift einer großen Weltreligion; Muslime seien zudem Mitbürger in Deutschland, und die evangelische Kirche sei vielfach im Gespräch mit den Moscheegemeinden. Auch achte sie darauf, dass die in der Verfassung geschützte Religionsfreiheit auch als „Freiheit der Andersglaubenden“ eingehalten werde. Die Kirche widerspreche freilich, wenn eine religiöse Strömung diesen Grundsatz mit Füßen trete oder verächtlich mache. De Vries: „Wir reagieren nicht mit den gleichen Methoden, sondern setzen auf Aufklärung und Information.“

Salafisten sind eine „radikale Sekte“

Salafisten akzeptierten weder die Religionsfreiheit, noch stellten sie sich einem gleichberechtigten Dialog der Religionen. Sie bildeten vielmehr eine „radikale Sekte“, die auch von den islamischen Verbänden in Deutschland abgelehnt werde. Freilich böten sie eine verlockende Weltsicht für Jugendliche und junge Erwachsene – „die klare Trennung von Gut und Böse und eine klare Unterscheidung von denen, die dazugehören und allen anderen, die es zu missionieren oder zu bekämpfen gilt“. Die Kirche wolle junge Menschen durch Aufklärung, Bildung, Information und Begleitung davor bewahren, sich in solchen sektenhaften Gruppen zu verlieren.

Drei Strömungen des Salafismus

In den Informationen der hannoverschen Landeskirche unterscheidet ihr Beauftragter für Kirche und Islam, Prof. Wolfgang Reinbold (Hannover), zwischen drei Formen des Salafismus – der puristischen, der politischen und der dschihadistischen. Puristischen Salafisten gehe es in erster Linie darum, den rechten Islam zu leben. Politische Salafisten wollten ihn zur Grundlage des Staates machen, und dschihadistische seien bereit, für den rechten Islam Menschen zu töten. Die Übergänge seien fließend. Besonders die zweite und dritte Gruppe betrachte Religionsfreiheit als inakzeptabel; der Abfall vom Islam sei mit dem Tode zu bestrafen. Ferner dürfe ein wahrer Muslim die Demokratie niemals akzeptieren. Da der Westen den Islam bekämpfe, sei der sogenannte „Heilige Krieg“ Pflicht jeden Muslims.

Junge Muslime nicht ausgrenzen

Laut Reinbold sind in Deutschland schätzungsweise etwa 4.000 bis 5.000 Menschen mit der salafistischen Lehre verbunden. Er warnt davor, junge Muslime auszugrenzen. Dann wachse ihre Neigung, sich extremistischen Gruppen zuzuwenden. Außerdem dürfe man nicht alle Muslime über einen Kamm scheren: „Sowohl Christentum als auch Islam lassen sich auf vielfältige Arten und Weisen auslegen und leben – und missbrauchen.“