15. Dezember 2017

BEFG: Mitgliederrückgang setzt sich fort

Quelle: idea.de

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Kassel (idea) – Der leichte Mitgliederverlust in der größten deutschen Freikirche, dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), dauert an. Das gab Pastor Friedrich Schneider (Oldenburg) von der Bundesgeschäftsführung der Freikirche auf der Bundesratstagung bekannt, die vom 17. bis 19. Mai in Kassel tagte.

Der Bundesrat ist das höchste beschlussfassende Gremium. 2011 verlor die Freikirche 490 Mitglieder (-0,6 Prozent). Sie hat nun bundesweit 82.174 Mitglieder. Die Zahl der Gemeinden sank im gleichen Zeitraum von 814 auf 809. In ihnen wurden im vergangenen Jahr 1.599 Personen getauft; das waren 154 weniger als 2010. Das ist ein Rückgang um 8,8 Prozent und zugleich ein neues Rekordtief. Die Freikirche praktiziert die Gläubigentaufe und lehnt die Kindertaufe als unbiblisch ab. 1.090 Mitglieder sind im vergangenen Jahr ausgetreten und 1.179 gestorben. Wie Schneider gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) erläuterte, könne man aus den gesunkenen Taufzahlen nicht ablesen, dass die Gemeinden unattraktiv seien. Denn die Zahl der Aufnahmen – ohne Berücksichtigung der Taufen – sei gegenüber dem Vorjahr sogar leicht gestiegen, von 1.113 auf 1.277. Allerdings sei es offenbar in den Gemeinden nicht gelungen, Besucher stärker für eine Mitgliedschaft zu gewinnen. Zugleich wies Schneider darauf hin, dass die beiden Großkirchen noch stärker von Mitgliederverlusten betroffen seien: „Das ist kein Trost, aber ein Hinweis auf ein gesamtgesellschaftliches Problem.“

„Offene“ Gemeinden haben höhere Taufzahlen

In den Beratungen der 553 Delegierten ging es auch um die Frage, ob sich die Gemeinden stärker für Christen öffnen sollen, die an der Gültigkeit ihrer Kindertaufe festhalten und durch eine seelsorgerliche Ausnahmeregelung als Mitglieder oder Gastmitglieder aufgenommen werden könnten. Schneider präsentierte dazu eine Online-Umfrage, an der sich 405 Gemeinden beteiligten. 46 Prozent halten ohne Ausnahme an der traditionellen Praxis fest, nur gläubig getaufte Christen aufzunehmen. In allen anderen Gemeinden gibt es Sonderregelungen, etwa die Aufnahme durch ein Bekenntnis zum christlichen Glauben als Mitglied oder Gastmitglied. Schneider bat die Gemeinden, verstärkt über solche Sonderregelungen nachzudenken. Denn die Erfahrung zeige, dass Gemeinden mit einer offeneren Aufnahmepraxis auch höhere Taufzahlen verzeichneten.

Theologe: Reihenfolge von Glaube und Taufe nicht beliebig

Für eine grundsätzliche Anerkennung der Kindertaufe „als legitime Auslegung des einen Evangeliums“ hatte sich ein Konvergenzdokument ausgesprochen, das nach einem sechsjährigen Dialog zwischen Lutheranern und Baptisten in Bayern im April 2009 veröffentlicht worden war. In Kassel legte die Freikirche dazu jetzt einen Zwischenbericht einer Theologischen Arbeitsgruppe vor. Wie es darin heißt, gebe es in dieser Frage innerhalb der Freikirche keinen Konsens. Zwischen Lutheranern und Baptisten müssten weitere Gespräche geführt werden. Der baptistische Theologiedozent Prof. Uwe Swarat (Elstal bei Berlin) verwies in einer Bibelarbeit darauf, dass die Reihenfolge von Glauben und Taufe nicht beliebig sei. Im Neuen Testament komme das Christwerden vor der Taufe. Swarat lehnte es ab, einen Kompromiss in der Frage zu schließen, um damit die Einheit der Christenheit in der Taufe zu unterstreichen: „Das wäre eine von Menschen gemachte Einheit.“ Vielmehr gelte für die Baptisten, „an der biblischen Lehre festzuhalten“.