15. Dezember 2017

Axel Springer: „Es könnte nicht besser sein!“

Quelle: idea.de

Axel-Springer-Hochhaus in Berlin - Foto: Peter von Bechen/pixelio.de

Axel-Springer-Hochhaus in Berlin - Foto: Peter von Bechen/pixelio.de

Wetzlar (idea) – idea-Leiter Helmut Matthies porträtiert den erfolgreichsten deutschen Verleger, Axel Springer, der am 2. Mai seinen 100. Geburtstag feiern würde.

Politisch ist er seit Kriegsende eindeutiger als viele andere gewesen, religiös war er lange auf der Suche, bis er einen Anker gefunden hatte: der erfolgreichste deutsche Verleger, Axel Springer (1912–1985). Aus kleinsten Anfängen heraus schuf er das größte Zeitungshaus Europas mit „Welt“, „Bild“, „Hörzu“ usw.

Politisch: Im Dritten Reich ist er weder für Hitler, noch befand er sich im Widerstand. Als 21-Jähriger ist er auf einem Foto 1933 in der Uniform einer NS-Organisation zu sehen, 1937 war er verantwortlich für Politik bei den Altonaer Nachrichten, die von der „tatsächlichen Einheit von Bolschewismus und Judentum“ schrieben. Nach dem Krieg setzte er sich dann wie kein anderer großer Verleger für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Israel sowie für die Wiedervereinigung Deutschlands ein. Springer ist der erste Deutsche gewesen, dem der Ehrentitel „Bewahrer Jerusalems“ verliehen wurde. Dabei sagte er 1983: „Für mich ist das Überleben des jüdischen Volkes und der Wiederaufbau des Staates Israel der Beweis, dass Gottes Versprechen in der Bibel sich erfüllen werden.“ Kein anderer Verleger wies auch so deutlich auf Menschenrechtsverletzungen im Kommunismus und insbesondere in der DDR hin. Die Stasi steckte vielfach – wie man heute weiß – hinter Ausschreitungen gegen den Springer-Verlag in den 60er und 70er Jahren. Sein Haus in der Schweiz wurde niedergebrannt. Als 1972 in seinem Verlag in Hamburg eine Bombe explodierte, wurden 36 Mitarbeiter verletzt. Axel Springer war ein Verleger, der nach dem Krieg politisch fast immer gegen den Zeitgeist stand. Von den meisten Nachfolgern in den vielen Zeitungen seines Unternehmens kann man das heute nicht mehr sagen.

Vom Freimaurer zum „wiedergeborenen Christen“

Religiös bezeichnete er sich lange als Gottsucher. In Hamburg trat er einer Freimaurerloge bei. Gleichzeitig war er derart Horoskop-gläubig, dass er 1958 den Gesprächstermin mit dem sowjetischen Parteichef Chruschtschow, von dem er die Wiedervereinigung verlangte, erst zu dem Zeitpunkt wahrnahm, den ihm seine Astrologin als den günstigsten genannt hatte. Dann machte er Ende der 50er Jahre eine Lebenskrise durch. Nach einem ihn sehr berührenden Glaubenserlebnis sah er sich fortan als „wiedergeborenen Christen“. Er widmete sich intensiv dem Studium der Bibel, überlegte gar, ob er nicht Prediger werden sollte. Theologisch beeinflussten ihn die Evangelischen Marienschwestern aus Darmstadt, der Schweizer Kirchenhistoriker Walter Nigg und der Mitvorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Paul Deitenbeck, mit dem er eine weitreichende seelsorgerliche Korrespondenz hatte. Er spendete der West-Berliner evangelischen Kirche Millionen DM. Doch als sich Teile dieser Kirche der linksorientierten Aktion „Enteignet Springer“ anschlossen und Bischof Kurt Scharf in der für Springer existenzbedrohenden Situation auf die Seite seiner Gegner trat, verließ er die Landeskirche und schloss sich der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) an, zu deren Mariengemeinde in Zehlendorf seine Frau Friede (69) bis heute gehört.

„Wie ein Hund“

Auf den Widerspruch zwischen seinem Christusbekenntnis und dem Kurs der „Bild“ angesprochen, bekannte er, dass er unter seiner Verantwortung für das Blatt manchmal leide „wie ein Hund“. Über seinen Sterbetag am 22. September 1985 schrieb seine Frau: „Ich las ihm die Losung vor, die auf seinem Kalender stand: ‚Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe’ (Johannes 11,25). Die Tränen liefen mir über das Gesicht. Axel verstand meine Tränen nicht, als ich meinte: ‚Das ist für dich geschrieben.’ Er nickte und fragte: ‚Warum weinst du?’ Ich hatte keine Antwort. Axel strahlte eine heitere Gelassenheit aus, war voller Frieden … Er schaute mich an und sagte, mit etwas verzerrter Stimme: ‚Es könnte nicht besser sein!’ Im gleichen Moment hörte sein Herz zu schlagen auf.“