15. Dezember 2017

„Allein die Liebe kann Gerechtigkeit hervorbringen“

Quelle: idea.de

Foto: PR

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Frankfurt am Main (idea) – Eine gerechte Gesellschaft ist nur möglich, wenn die Werte des christlichen Glaubens eine prägende Rolle spielen. Diese Ansicht vertraten Referenten beim Kongress „Gerechtigkeit“ der Vereinigung „Christ und Jurist“, der am 6. Mai in Frankfurt am Main zu Ende ging. Die Initiative hat Kontakt zu rund 600 Juristen, die ihren Beruf mit ihrem christlichen Glauben verbinden wollen.

Der Professor für Neues Testament an der Universität Tübingen, Hans-Joachim Eckstein, sagte vor den rund 180 Teilnehmern, das biblische Ideal der Gerechtigkeit sei nicht etwa „weltfremd, sondern wirklichkeitsorientierter als manche vermeintlich vernünftigen, aufgeklärten oder neuzeitlichen Entwürfe einer gerechten Gesellschaft“. Denn die an Jesus Christus und seinem Wirken, Lehren und Leiden orientierte Gerechtigkeit setze keine heile Welt voraus. Sie gebe „Antworten für ein gerechtes Leben in einer ungerechten Welt“. Diese Gerechtigkeit gehe nicht von der Illusion eines guten und unschuldig geborenen Menschen aus, sondern zeige den Weg zur Gerechtigkeit gerade für fehlbare und schuldig gewordene Menschen – durch Gottes Erbarmen. Wer um diese grenzenlose Barmherzigkeit wisse, mache sich „nicht vom Wohlwollen und Friedenswillen der anderen abhängig“. Wenn Christen nach biblischem Vorbild als „Friedensstifter“ und „Barmherzige“ in ihrem Umfeld tätig sein, wirkten sie – trotz ihrer eigenen Unzulänglichkeit – „in dieser Welt wie das Salz und wie das Licht in der Nacht“. Dann werde in der Gesellschaft etwas sichtbar von der biblischen Wahrheit „Gerechtigkeit erhöht ein Volk!“ (Sprüche 14,34).

Die Feindesliebe macht den Unterschied

Ähnlich argumentierte der Präsident der Rechtsanwaltskammer in Frankfurt am Main und designierte Präsident des Verbandes der Europäischen Rechtsanwaltskammern, Prof. Lutz Simon: Das Christentum unterscheide sich von allen anderen Weltreligionen durch die Feindesliebe, die Jesus Christus gefordert und gelebt habe. Der Jurist, Philosoph und Theologe verwies auf biblische „Kriminalfälle“. Während Ehebrecher im Alten Testament mit dem Tode bestraft werden sollten, habe Jesus die zu ihm gebrachte Ehebrecherin nicht verurteilt. Ähnliches gelte für den Umgang mit dem Sabbatgebot. Im Alten Testament seien Verstöße mit der Steinigung der Täter geahndet worden, doch Jesus Christus habe selbst dagegen verstoßen. Entscheidend sei die Liebe Gottes zu den Menschen, die sich durch das gesamte Neue Testament ziehe und die das Miteinander der Menschen prägen solle. Simons Fazit: „Allein die Liebe kann Gerechtigkeit hervorbringen.“

Die Herkunft der Menschenwürde

Der Richter am Bundesverfassungsgericht, Prof. Herbert Landau (Karlsruhe), unterstrich in seinem Vortrag zum Thema „Rechtsstaat und Recht“ die Bedeutung der Menschenwürde, die ihre Grundlagen im Judentum und Christentum habe. Sie orientiere sich nicht an den Begabungen und Fähigkeiten der Menschen, sondern allein an der Tatsache des Menschseins. Landau bedauerte, dass diese Menschenwürde in islamischen Staaten und kommunistischen Diktaturen wie in der Volksrepublik China Menschen vorenthalten werde. Zur Aufgabe des Staates gehöre es auch, sich für den Schutz des Lebens am Anfang und Ende einzusetzen.

Einsatz für Mittellose und Asylanten

Wie der Vorsitzende der Vereinigung „Christ und Jurist“, der Rechtsanwalt Patrick Menges (München), gegenüber idea sagte, versehen die mit dem Verein in Kontakt stehenden Juristen ihre Arbeit „in Verantwortung vor Gott“. Weil man miteinander vernetzt sei, könne man sich gegenseitig beistehen – fachlich und geistlich. Viele christliche Anwälte engagierten sich bewusst auch für mittellose Klienten wie etwa Asylanten, „damit auch sie zu ihrem Recht kommen“. Für solche Fälle stellten sie bewusst „den biblischen Zehnten“ ihrer Zeit zur Verfügung.