24. Oktober 2017

Sind zu Hause erziehende Mütter „Prekariats-Schlampen“?

Quelle: idea.de

Der Bestsellerautor und Fernsehmoderator Peter Hahne kritisiert die Diskussion um das Betreuungsgeld. Foto: PR/ZDF

Berlin (idea) – Scharfe Kritik an der Diskussion um das Betreuungsgeld in den Medien hat der Bestsellerautor und Fernsehmoderator Peter Hahne (Berlin) geübt. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen Eltern, die ihr unter dreijähriges Kind zu Hause betreuen, statt es in eine Krippe zu geben, ab 2013 zunächst 100 Euro und später 150 Euro erhalten.

Dafür macht sich vor allem die CSU stark. Dagegen lehnen SPD, Bündnis90/Die Grünen, „Die Linke“ und auch Teile der CDU diese Leistung ab. Das frühere EKD-Ratsmitglied Hahne schrieb in seiner Kolumne für die Wochenzeitung „Bild am Sonntag“, ihm platze langsam der Kragen, wie das Thema in Talkshows und Magazinen behandelt werde. Beinahe jeder Satz klinge, als habe man inzwischen allgemein und letztverbindlich beschlossen: „Kinder, und zwar alle, können nur in Kitas und ähnlichen Verwahr-Einrichtungen optimal erzogen werden.“ Wer in diesen Chor nicht einstimme, werde mit Hass und Häme niedergemacht. Es werde der Eindruck erweckt, „als seien Mütter, die mit ihrem Kind daheim bleiben, Prekariats-Schlampen, die die Staatskohle in den nächsten Schuh-Discounter, Mediamarkt oder zum Getränkehändler tragen“. Dies werde aber von keiner Statistik belegt, „die ich kenne“, so Hahne. Er beendet seinen Beitrag mit persönlichen Erfahrungen. Beim Brötchenholen erlebe er, wie in Kindertagesstätten „quengelnde Kleinkinder quasi vom Kreißsaal in die Krippe abgegeben werden und die Eltern sich am Fenster die Nasen platt drücken, um dem heulenden Heimweh schnellen Trost zu spenden“.

EKD-Ratsvorsitzender gegen Betreuungsgeld

Der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), hat sich wiederholt gegen das Betreuungsgeld ausgesprochen. Gegenüber den „Ruhr Nachrichten“ (26. April) sagte er, Geld dürfe „nicht an Einzelne ausgezahlt werden“, sondern müsse in den Ausbau von Krippen und Kindertagesstätten fließen. „Damit kämen wir auf dem Weg zur Bildungsgerechtigkeit und verbesserten Lebenschancen für benachteiligte Kinder einen guten Schritt weiter“, so Schneider. In der ZDF Sendung „Berlin direkt“ (29. April) kritisierte er, dass eine Sachfrage – Wie hilft man Kindern am besten? – zu einer reinen Machtfrage werde: „Und das hilft den Kindern gar nicht.“ In der gleichen Sendung bezeichnete der Politikberater Michael Spreng den Streit um das Betreuungsgeld als eine „ideologisch hoch aufgeladene Diskussion“. Dabei gehe es um „die letzte Schlacht der Konservativen gegen die Modernisierer in der CDU“. Laut dem ZDF-Polibarometer für April ist die Mehrheit der Deutschen gegen ein Betreuungsgeld. 61 Prozent sprechen sich dagegen aus; 34 Prozent sind dafür und fünf Prozent unentschieden.