20. Oktober 2017

Sachsen: Synode entschärft Streit um Homos im Pfarrhaus

Quelle: idea.de

Synode verabschiedet eine Kompromisserklärung zu Paragraph 39 des EKD-Pfarrdienstgesetzes. Foto: PR

Synode verabschiedet eine Kompromisserklärung zu Paragraph 39 des EKD-Pfarrdienstgesetzes. Foto: PR

Dresden (idea) – Ehe und Familie bleiben in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens das Leitbild für die Lebensführung von Pfarrerinnen und Pfarrern. Das hat die Synode bei ihrer Frühjahrstagung in Dresden entschieden.

Sie beschloss ein sächsisches Ergänzungsgesetz zum EKD-Pfarrdienstgesetz. Dieses wurde erweitert um einen Paragraphen, in dem Ehe und Familie klar als Leitbild für die Lebensführung von Pfarrern herausgestellt werden. Außerdem verabschiedete die Synode bei zwei Gegenstimmen eine Erklärung zu dem umstrittenen Paragraphen 39 des EKD-Pfarrdienstgesetzes und zum entsprechenden Beschluss der sächsischen Kirchenleitung, der das Zusammenleben homosexueller Pfarrer im Pfarrhaus „in eng begrenzten seelsorgerlichen Einzelfällen“ ermöglicht. In der Erklärung der Synode heißt es, durch den Paragraphen 39 sei in der Landeskirche ein „tiefgreifender Dissens aufgebrochen“, da er den Eindruck erwecke, als würde mit ihm das an der Bibel orientierte Leitbild von Ehe und Familie in Frage gestellt. Um diesbezüglich Klarheit zu schaffen, sei es gut, dass das sächsische Ergänzungsgesetz zum Pfarrdienstrecht der EKD um den Paragraphen 51 aus dem bisherigen Pfarrergesetz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche (VELKD) erweitert wurde, wonach Ehe und Familie das Leitbild bleiben.

Dreijähriger Gesprächsprozess

Gleichzeitig behält der Beschluss der Kirchenleitung Gültigkeit, wonach das Zusammenleben von homosexuellen Pfarrern gestattet werden kann, wenn es sich um eine eingetragene Lebenspartnerschaft handelt und Bischof, Superintendent sowie Kirchenvorstand einhellig zustimmen. Um das Verständnis der unterschiedlichen Positionen füreinander zu stärken, beschloss die Synode zudem einen dreijährigen Gesprächsprozess, in dem es um das Schriftverständnis – besonders in den strittigen ethischen Fragen – gehen soll. Ziel ist, dass jede Seite „sich selbst prüfen und auch nach geistlicher Wahrheit in der jeweils anderen Position suchen soll und kann“.

Synodalpräsident: Drohende Spaltung verhindert

Synodalpräsident Otto Guse (Auerbach/Vogtland) erklärte, mit dem erzielten Ergebnis habe die Synode „die drohende Spaltung der Kirche verhindert“. Das Leitbild von Ehe und Familie sei per Gesetz gestärkt worden. Einen Rechtsanspruch auf das Zusammenleben homosexueller Partner im Pfarrhaus gebe es nicht, betonte er. Landesbischof Jochen Bohl (Dresden) zeigte sich dankbar für den erzielten Kompromiss. Er hoffe, dass die sächsischen Kirchenmitglieder in der Landeskirche weiterhin ihre Heimat sähen.

„Beieinander bleiben“ trotz konträrer Positionen

Sowohl Gegner als auch Befürworter einer Öffnung des Pfarrhauses würdigten die Entscheidung als „Zeichen, beieinander bleiben zu wollen“. Der Landesinspektor des sächsischen Gemeinschaftsverbandes, Matthias Dreßler (Chemnitz), erklärte gegenüber idea, die gemeinsame Erklärung der Synode zeige, dass die Einheit der Kirche den meisten wichtiger sei, als die eigene Position durchzusetzen. Den angeregten Gesprächsprozess bezeichnete er als „Werkzeug für die Zukunft“: „Er ist kein Allheilmittel, aber eine Hilfe auf dem Weg des Miteinanders.“ Auch wenn man die unterschiedlichen Positionen nicht werde ausgleichen können, so sei das Gespräch über die jeweils eigene Position wichtig und unverzichtbar. Der Synodale Falk Klemm (Plauen) von der Sächsischen Bekenntnis-Initiative sagte, mit der Erklärung und der Aufnahme des VELKD-Paragraphen werde deutlich, „dass die sächsische Landeskirche an der bewährten bisherigen Praxis und Rechtsetzung festhalten möchte und sich zur biblischen Lebensordnung der Ehe zwischen Mann und Frau bekennt und daran orientiert“.