17. Oktober 2017

Sachsen: Pietist fordert Rückstellung des Kirchenleitungsbeschlusses

Quelle: idea.de

Der Vorsitzende des pietistischen Landesverbandes Landeskirchlicher Gemeinschaften in Sachsen, Prof. Johannes Berthold: Um Einheit der Kirche willen Pfarrhäuser nicht für Homo-Paare öffnen. Foto: idea/kairospress

Der Vorsitzende des pietistischen Landesverbandes Landeskirchlicher Gemeinschaften in Sachsen, Prof. Johannes Berthold: Um Einheit der Kirche willen Pfarrhäuser nicht für Homo-Paare öffnen. Foto: idea/kairospress

Dresden (idea) – Die sächsische Kirchenleitung sollte ihren Beschluss zur Öffnung des Pfarrhauses für homosexuelle Partnerschaften zurückstellen. Diesen Wunsch äußerte der Vorsitzende des pietistischen Landesverbandes Landeskirchlicher Gemeinschaften in Sachsen, Prof. Johannes Berthold (Moritzburg), am 21. April vor der sächsischen Landessynode in Dresden.

Die Kirchenleitung hatte im Januar einen Beschluss vorgelegt, wonach Pfarrer bei Zustimmung des Kirchenvorstandes, des zuständigen Superintendenten und des Landesbischofs zusammen mit ihrem Partner im Pfarrhaus leben dürfen. Das hatte an der Kirchenbasis nicht nur Zustimmung hervorgerufen, sondern auch Proteste. So gründete sich unter anderem eine Sächsische Bekenntnis-Initiative, der sich bisher mehr als 100 Kirchgemeinden, 250 Gemeinschaften, 30 Gruppen und Werke sowie gut 8.000 Einzelpersonen angeschlossen haben. Bei ihrer Tagung in Dresden soll die Synode bis zum 23. April ein Ergänzungsgesetz zum Pfarrerdienstrecht der EKD verabschieden, in dem auch das Zusammenleben homosexueller Pfarrer geregelt werden soll. Wie Berthold vor den Synodalen sagte, haben Beschlüsse der Kirchenleitung der Einheit der Kirche zu dienen. Deshalb dürfe es bei dieser sensiblen Frage, „kein Machtkalkül eines Pontius Pilatus geben nach dem Motto: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben“. Er fürchte um die Einheit der Kirche, erklärte Berthold. Einige Christen hätten ihm bereits angekündigt, die Kirche zu verlassen, sollten homosexuelle Pfarrer zusammen im Pfarrhaus leben dürfen. „Und diese Schwestern und Brüder treten nicht vom Rand der Kirche, sondern aus deren Mitte aus“, sagte Berthold. „Das ist für mich Anlass zu tiefer Trauer.“ Zudem befürchte er, dass durch eine Öffnung der Pfarrhäuser die Polarisierung innerhalb der sächsischen Landeskirche zunehmen werde.

Theologe: Kirchen messen Sexualität zu hohen Stellenwert bei

Nach Ansicht des Theologieprofessors Klaus Tanner (Heidelberg) messen die Kirchen dem Thema Sexualität einen zu hohen Stellenwert bei. In den derzeitigen Debatten um den Umgang mit Homosexualität spiegle sich die Sexualisierung der Gesamtgesellschaft. Im Zeitalter der Mediengesellschaft gelte der Grundsatz „sex sells“ (Sex verkauft sich). „Und ungewollt bedienen die kirchlichen Diskussionen genau dieses Interesse“, so Tanner. Kirche müsse sich aber fragen, ob sie der Sexualität „den richtigen Stellenwert“ einräume angesichts der Zahlen, wonach lediglich drei bis vier Prozent der deutschen Bevölkerung homosexuell sind. Zugleich warnte Tanner davor, das reformatorische Prinzip des „sola scriptura“ (allein die Schrift) mit einem biblizistischen Buchstabenglauben zu verwechseln. „Martin Luther hatte keinen Buchstabenglauben“, betonte der Theologe. Auch heute erschlössen sich biblische Texte nur, indem sie immer wieder neu ausgelegt würden.