19. Oktober 2017

Radikale Muslime auf Seelenfang

Quelle: idea.de

Foto: Salih Ucar/pixelio.de

Foto: Salih Ucar/pixelio.de

Köln/Darmstadt(idea) – Während die öffentliche Bibelverbreitung in den meisten islamischen Ländern verboten ist, verteilen derzeit radikale Muslime im großen Stil Koranausgaben in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In diesen Ländern sollen nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes 25 Millionen deutschsprachige Exemplare an den Mann bzw. die Frau gebracht werden. Dies geschieht vor allem über Stände in Fußgängerzonen. Nach Schätzungen der Sicherheitsbehörden werben Islamisten inzwischen in fast 100 Städten auf diese Weise für ihre Ideologie. Hinter den Aktionen stünden Salafisten, die den Koran „sehr fundamentalistisch auslegen“, so ein Sprecher des Verfassungsschutzes auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Diese Strömung hat nach Schätzung der Behörde in Deutschland etwa 3.800 Anhänger. Salafisten treten für die absolute Geltung der Scharia, des islamischen Religionsgesetzes, ein und wollen Staat, Gesellschaft und das Leben des Einzelnen nach ihren Normen umgestalten. Ziel ist in letzter Konsequenz ein Gottesstaat. Als gefährlich gilt vor allem der „jihadistische Salafismus“ (Jihad/Heiliger Krieg). Seine Vertreter glaubten, ihre Ziele durch Gewaltanwendung verwirklichen zu können, so der Verfassungsschutz. Zwar sei die große Mehrzahl der Salafisten in Deutschland keine Terroristen. Aber fast alle hierzulande bisher identifizierten terroristischen Netzwerkstrukturen und Einzelpersonen seien salafistisch geprägt bzw. hätten sich in diesem Milieu entwickelt.

Anklage gegen führenden Salafisten

Hinter der Koranverteilung steckt nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden ein führender Salafist in Deutschland, Ibrahim Abu Nagie (Köln). Im September 2011 erhob die Kölner Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn, weil er öffentlich zu Straftaten angestiftet und den religiösen Frieden gestört haben soll. Die Leiterin des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen, Mathilde Koller (Düsseldorf), hält die Koranverteilung für den „aktuellsten Ausdruck der offensiven Missionierungsarbeit dieser islamistischen Strömung“. Ziel sei es, Übertritte zum Islam salafistischer Prägung herbeizuführen und damit diese Form des religiös motivierten Extremismus in Deutschland weiterzuverbreiten, sagte die Behördenleiterin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Kirche: Religiösen Extremisten nicht auf den Leim gehen

Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes bilden Nordrhein-Westfalen und Hessen Schwerpunkte der salafistischen Aktivitäten. Die hessen-nassauischen Kirche rät nach den Worten ihres Pressesprechers Stephan Krebs (Darmstadt), sehr genau hinzuschauen, mit wem man ins Gespräch kommt, „um nicht religiösen Extremisten auf den Leim zu gehen“. Die Kirche sei zuversichtlich, dass die Bürger seriöse und extremistische Religiosität unterscheiden könnten. Grundsätzlich sei es angesichts der Religionsfreiheit das gute Recht von Muslimen, missionarisch aktiv zu sein. „Wir gewähren einander Missionsfreiheit, die wir uns für die islamischen Länder auch sehr wünschen“, sagte Krebs auf idea-Anfrage.

Evangelikaler: Kritischer zum Koran Stellung nehmen

Nach Ansicht des evangelikalen Islam-Experten Pfarrer Eberhard Troeger (Wiehl bei Köln) kopieren die Salafisten Bibel-Verteilaktionen der Christen. Zwar werde mancher Passant aus Neugier ein Exemplar des Koran mitnehmen: „Ich glaube aber nicht, dass die Aktion unter Deutschen großen Erfolg haben wird.“ Sie ziele eher auf Migranten und Namensmuslime. Außerdem wollten die Salafisten mit der Werbeaktion auf sich aufmerksam machen. Anziehungskraft hätten sie möglicherweise auf desorientierte, innerlich heimatlose junge Menschen, die sich an der Gesellschaft rächen wollten. Troeger äußerte die Hoffnung, dass die Aktion die Christen herausfordert, kritischer zum Koran Stellung zu nehmen: „Wenn man ihn wörtlich nimmt, ist er ein gefährliches Buch, da manche Stellen zur Gewalt aufrufen.“