23. Oktober 2017

Koranverteilung – Ein Weckruf an die Christen

Quelle: idea.de

Foto: Thomas Schneider

Foto: Thomas Schneider

Köln/Wetzlar (idea) – Mit dem Appell zu einem eindeutigen christlichen Bekenntnis haben Vertreter von Kirchen und evangelikalen Werken auf eine Aktion radikaler Muslime in Deutschland reagiert, die 25 Millionen Exemplare des Koran kostenlos verteilen wollen.

Der Generalsekretär des Bibellesebundes, Christian Brenner (Marienheide), bezeichnete den Missionierungseifer hinter der Aktion als „beachtlich“. Zugleich mahnte er gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) zur Gelassenheit: „Ein verteilter Koran ist noch kein gelesener Koran. Und auch ein gelesener Koran bewirkt nicht automatisch eine Bekehrung zum Islam.“ Über das Internet sei die islamische Schrift schon seit Jahren kostenlos verfügbar; in vielen Buchhandlungen gehöre sie längst zum Sortiment. Trotzdem zähle der Koran „nicht zu den Topsellern oder zu den am meisten gelesenen Büchern auf den Bücherlisten“. Laut Brenner sollte die Aktion Christen aber nachdenklich machen, welchen Stellenwert die Bibel für sie hat und wie sie sich für sie einsetzen: „Sie ist das Wort Gottes, das Buch unseres Glaubens und sie enthält Gottes Gedanken, das Evangelium, die Gute Botschaft für unser Leben. Nicht nur für uns, sondern erst recht für die Menschen um uns herum, die nach Orientierung und Wahrhaftigkeit suchen. Dafür arbeiten Bibelgesellschaften, die Gideons, der Bibellesebund, im Grunde alle Gemeinden – egal ob katholisch, evangelisch oder freikirchlich. Die Frage ist: Wie sehr ziehen wir uns verunsichert zurück, anstatt diese frohe Botschaft zu den Menschen zu tragen?“ In diesem Sinne scheue er sich nicht, einen Koran entgegenzunehmen, wenn ihm jemand einen schenken möchte, so Brenner. „Ich schätze es wert, dass er sich für seinen Glauben einsetzt. Zugleich möchte ich dies nicht kommentarlos tun, sondern darauf hinweisen, woran ich glaube und im Gegenzug gerne eine Bibel anbieten und zum gemeinsamen Bibellesen einladen.“

Ein Ansporn für Christen

Thomas Römerscheidt – zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Missionswerks „Aktion in jedes Haus“ (Radevormwald) – nannte die Koranverteilaktion einen „Weckruf“. „Was hier durchgeführt wird, darf nicht konkurrenzlos und unwidersprochen bleiben. Deshalb verfolgen wir das Ziel, jeder Familie das Evangelium in gedruckter Form zu bringen. So kann die Koranverteilung ein Ansporn für Christen vor Ort sein. Als Christen haben wir die befreiende Nachricht von Jesus Christus.“ Man dürfe extremistischen Muslimen nicht das Feld überlassen. Christen sollten sich vor Ort zusammenschließen und eine gemeinsame „Bibel-Aktion“ planen. Um wirklich alle zu erreichen, sei es ratsam, am jeweiligen Wohnort jeden Haushalt mit einer Gutscheinkarte für eine kostenlose Jesus-Biografie zu versorgen. Die Flugblätter stelle die „Aktion in jedes Haus“ für Interessierte auf Spendenbasis zur Verfügung (www.ajh-info.de). Der Bundesvorsitzende des Gideonbundes, Ralf Hille (Eschweiler), verwies gegenüber idea auf das im Grundgesetz verbürgte Recht auf Religionsfreiheit. Es gelte auch für Muslime. Ähnlich äußerte sich EKD-Pressesprecher Reinhard Mawick (Hannover). Allerdings frage er sich, ob Menschen tatsächlich allein dadurch zum Islam überträten, dass sie einen Koran geschenkt bekämen: „Der Missionserfolg ist äußerst fraglich.“

Verfassungsschutz ist alarmiert

Am Osterwochenende hatten deutsche Salafisten – also Anhänger einer radikalen Islam-Strömung, die als Sprungbrett in den islamistischen Terrorismus gilt – in 35 Städten Info-Stände organisiert. Ihr Ziel: So viele Koran-Übersetzungen wie möglich zu verteilen. Initiator der Aktion ist der Kölner Geschäftsmann Ibrahim Abou Nagie. Der 47-Jährige mit palästinensischen Wurzeln möchte die Deutschen eigenen Angaben zufolge vor der ewigen Verlorenheit retten. Deshalb sollten Nicht-Muslime zum einzig wahren Glauben, dem Islam, übertreten. Um dies zu erreichen, rief Abou Nagie im Oktober 2011 das Projekt „Lies!“ ins Leben. Ziel der Kampagne ist es, den Koran in deutscher Übersetzung an Nicht-Muslime zu verteilen. Die Vorgehensweise: Deutsche Muslime werden aufgerufen, ein Koran-Exemplar (roter Einband) zu kaufen, um damit die kostenlose Verteilung eines weiteren Koran-Exemplars (blauer Einband) zu finanzieren. Die öffentliche Verteilung auf der Straße und auf Marktplätzen findet an Info-Ständen statt. Zudem kann jeder Interessierte über eine Webseite kostenlos einen Koran bestellen. Nach Angaben Nagies, der vom Verfassungsschutz als gefährlich eingestuft wird, sollen bereits über 300.000 deutsche Koran-Übersetzungen verteilt worden sein – nicht nur auf der Straße und per Post, sondern auch in Gefängnissen, Schulen und sogar Kindergärten. Als Gegenmaßnahme haben einige Städte vor kurzem ihre Genehmigungspraxis für die Koranverteil-Aktionen geändert. Die Salafisten umgehen diese Regelung: Wo ihnen die Infostände untersagt werden, tauchen sie mit eigens entworfenen Umhängetaschen auf und verteilen Koranausgaben wie Flugblätter – genehmigungsfrei. Sicherheitsbehörden sind alarmiert über die Verbreitung des Salafismus. „Junge Menschen mit wenig gefestigter Persönlichkeit, egal welcher Nationalität und Herkunft, sind dabei besonders gefährdet, wenn ihnen ein sehr einfaches Weltbild suggeriert wird, in dem sämtliche Regelungen des Lebens aus der Scharia abgeleitet werden“, erklärte Hessens Verfassungsschutzpräsident Roland Desch (Wiesbaden).