22. November 2017

Wie Christen Trauernden helfen können

Quelle: idea.de

Pfarrer Jürgen Dusza. Foto: idea/Huhn

Pfarrer Jürgen Dusza. Foto: idea/Huhn

Berlin (idea) – Was können christliche Gemeinden tun, um Trauernden beizustehen? Um diese Frage ging es bei einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste (AMD) im Diakonischen Werk der EKD am 30. März in Berlin.

Pfarrer Jürgen Dusza (Dortmund) bezeichnete Gemeinden als wichtige Wegbegleiter in der Trauerbewältigung. Sie könnten helfen, den Schmerz zu verarbeiten, die Situation in einem neuen Licht zu sehen und Auswege aufzuzeigen. Dusza zufolge findet Trauer in der Öffentlichkeit kaum noch statt; sie werde als Privatsache verstanden. Dadurch blieben viele Menschen mit Schuldgefühlen und dem Eindruck eines „amputierten“ Lebens allein. Christen könnten durch Besuche dem Trauernden aus seiner Einsamkeit helfen und praktische Hilfe leisten. Hilfreich seien auch spezielle Gottesdienste und Andachten für Trauernde oder Trauergruppen. Es sei entscheidend, die richtigen Gesten zu finden, etwa mit einem Gebet, Händedruck, Abendmahl oder Segen. Oft zögerten Christen unnötig, auf den Trauernden zuzugehen. Dusza: „Nicht warten, sondern hingehen!“ Bei besonders schweren Fällen sollten Trauerbegleiter den Kontakt zu Therapeuten herstellen. Dusza betonte, dass die Bestattung nach christlichem Verständnis kein endgültiger Abschied ist: „Wir geben einen Menschen in Gottes Hand in der Hoffnung, dass er in der Wirklichkeit Gottes geborgen ist.“

Trauma-Begleiterin: Über die eigene Trauer sprechen

Nach den Worten der Begleiterin von Traumageschädigten, Sabine Roemer (Frankfurt am Main), leben Traumatisierte meist stark zurückgezogen. So besuchten sie in der Regel keine Gesprächskreise mit anderen Trauernden. Zudem erkennten sie meist nicht selbst, dass sie traumatisiert sind. Es dauere oft sehr lange, bis sie lernten, über ihre Trauer zu sprechen. Verständnisvolle Zuwendung, ein starker Glaube und Gemeinschaft seien sehr hilfreich.

„Event-Bestattung“ steht „Entsorgung“ von Toten gegenüber

Nach Ansicht der Bestatterin Claudia Wünnemann (Unna) ist der Bestatter heute der erste Ansprechpartner bei Trauerfällen. Er nehme heute viele Aufgaben wahr, die früher der Pfarrer übernommen habe. Nach Wünnemanns Beobachtung gibt es bei Bestattungen zwei Extreme: Groß inszenierten „Event-Bestattungen“ stehe heute die „Entsorgung“ des Toten – ohne Grab und Trauerfeier – gegenüber. In der AMD sind über 90 Missionswerke und Ämter für Missionarische Dienste zusammengeschlossen. Vorsitzender ist Altbischof Axel Noack (Halle/Saale).