18. November 2017

Nigeria: Elf Tote bei Anschlag auf Kirche

Quelle: idea.de

Kritik an Soldaten: Warum konnten die Attentäter Kontrollposten passieren?

Kritik an Soldaten: Warum konnten die Attentäter Kontrollposten passieren?

Jos (idea) – Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Kirche in Nigeria sind am 11. März elf Menschen ums Leben gekommen, darunter die beiden Attentäter. 22 Gottesdienstbesucher in der katholischen Kirche St. Finbar in Jos im muslimisch geprägten Norden des Landes wurden teilweise schwer verletzt.

Das berichtet die nigerianische Tageszeitung „The Nation“. Die beiden Attentäter hatten sich in ihrem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug vor der Kirche während des Gottesdienstes in die Luft gesprengt. Durch die Explosion wurde das Dach der Kirche beschädigt, stürzte aber nicht ein. Darin sieht der Priester der Pfarrei, Peter Umoren, ein übernatürliches Eingreifen: „Gott hat uns bewahrt.“ Bisher hat sich niemand zu der Gewalttat bekannt. Zwei Wochen zuvor waren bei einem ähnlichen Anschlag auf eine protestantische Kirche ebenfalls in Jos drei Menschen getötet worden. Die Verantwortung hatte die radikal-islamische Terrorgruppe Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde) übernommen, die für die Errichtung eines islamischen Staats im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes kämpft.

Verhalten der Soldaten stößt auf Kritik

Unterdessen hat der Jugendarbeitszweig der Christlichen Vereinigung von Nigeria (CAN) dazu aufgerufen, sämtliche Armeeoffiziere in der Region zu überprüfen. Die Anschläge auf Christen hätten zugenommen, nachdem ein neuer Kommandeur – ein Muslim – das Amt angetreten habe. Augenzeugen übten auch Kritik am Verhalten der Soldaten, die zum Schutz der Kirche und von Gebäuden der Regionalregierung in der Nähe abgestellt waren. Es sei unerklärlich, warum die Attentäter mit ihrem mit Sprengstoff beladenen Wagen die zahlreichen Kontrollposten hätten passieren können. Als christliche Jugendliche daraufhin spontan gegen die Soldaten demonstrieren wollten, schossen diese in die Menge. Dabei wurde nach Angaben von „The Nation“ fünf Jugendliche getötet.

Junge Christen haben Angst vor islamistischen Terroristen

Der jüngste Anschlag hatte auch Folgen für ein christliches Jugendcamp in der Nähe der Kirche. In Sorge um ihr Leben hätten viele Teilnehmer vor allem aus dem christlichen Süden des Landes vorzeitig ihre Rückreise angetreten. Nach Angaben eines Sprechers des Camps hätten sie sich nicht mehr sicher gefühlt, nachdem zuvor zehn Teilnehmer von den Sicherheitsdiensten aus ihre Mitte heraus verhaftet worden seien. Man sei in Sorge gewesen, dass sich es bei ihnen um Spione von Boko Haram gehandelt habe.

Wiedenest: Keine Belege für Rache durch Christen

Unterdessen hat der Arbeitszweig „Weltweite Mission“ von Forum Wiedenest (früher: Missionhaus Bibelschule Wiedenest) Pressemeldungen als falsch zurückgewiesen, nach denen es in Jos nach den Anschlägen zu massiven Racheakten von Christen gekommen sei, bei denen zehn Muslime ums Leben gekommen seien. „Wir haben darüber keine bestätigten Hinweise“, sagte Missionsleiter Horst Engelmann (Bergneustadt) gegenüber idea. Vor kurzem hatte sich der anglikanische Erzbischof der Diözese, Benjamin Kwashi, bei einer Konferenz in Schwäbisch Gmünd ausdrücklich gegen Racheakte von Christen gewandt. Er sah in der jüngsten Terrorwelle vielmehr „eine große Chance, um das wahre und starke Evangelium weiterzugeben.“ Bei Anschlägen auf staatliche Einrichtungen, Kirchen und Häuser von Christen sind seit Jahresbeginn 274 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben von Religionsstatistikern sind 51,3 Prozent der 158 Millionen Einwohner Nigerias Christen. Muslime stellen 45,1 Prozent der Bevölkerung. Hinzu kommen Anhänger von Naturreligionen.