19. November 2017

Jeder siebte deutsche Schüler ein Mobbingopfer

Quelle: idea.de

Mobbing: Betroffene brauchen Vertrauenspersonen. Foto: PR

Mobbing: Betroffene brauchen Vertrauenspersonen. Foto: PR

Detmold (idea) – Etwa jeder siebte Schüler erlebt sich als Mobbingopfer, als Ziel andauernder körperlicher oder verbaler Angriffe durch Mitschüler.

Besonders betroffen seien Schüler der Klassen 6 bis 10, sagte die Beratungslehrerin Miep Runck (Bielefeld) am 8. März auf einem Elternforum der evangelischen August-Hermann-Francke-Schule in Detmold. Bei Mädchen seien häufig frühere enge Freundinnen die Täterinnen, bei Jungen seien es überwiegend Mitschüler aus der eigenen Klasse. Die Täter seien sehr oft selbst Mobbing-Opfer gewesen, so Runck. Die Formen der Angriffe reichten von Nachäffen über Verstecken von Eigentum bis hin zu Schlagen, Spucken oder sexuellen Übergriffen. „Mobbing kann nicht stattfinden ohne die Gruppe der Zuschauer“, sagte die Beratungslehrerin. Andere Schüler fänden das Geschehen spannend oder unterstützen die Täter aus Angst. Aber nicht jeder Streit und jede Ungerechtigkeit unter Schülern sei Mobbing. Entscheidend sei die Häufigkeit und Dauer der Handlungen, sagte Runck.

Tätern und Opfern seelsorgerlich begegnen

Wie der Schulsozialarbeiter der August-Hermann-Francke-Schule, Johann Penner, gegenüber idea sagte, sei Mobbing ein Problem an allen Schulen, auch an christlichen. „Schüler brauchen Ansprechpartner, denen sie vertrauen können“, so Penner. Das könne ein Schulseelsorger oder ein Schulsozialarbeiter sein. Wenn Schüler sich offenbarten, dürfe das Anvertraute nicht ohne ihr Einverständnis weiterverwendet werden. Für die Schule seien Hinweise der Eltern betroffener Schüler wichtig, da sich Mobbing häufig auch auf dem Schulweg, in der Freizeit oder im Internet abspiele. Ein Warnsignal sei beispielsweise ein plötzlicher Leistungsabfall eines vorher guten Schülers. Penner: „Da kann Mobbing eine Ursache sein, es kommen aber auch andere Konflikte in Frage.“ Wie der Schulsozialarbeiter weiter sagte, könnten seelsorgerliche Gespräche Tätern und Opfern helfen. „Der Täter erfährt: Vergebung eröffnet mir eine Chance, auch wenn ich Mist gebaut habe. Und dem Opfer kann das Lesen in Psalm 139 ein gestärktes Selbstwertgefühl vermitteln.“ Wenn alle Hilfsangebote scheiterten, seien unbelehrbare Täter von der Schule zu verweisen. Auch zu diesem Mittel habe die August-Hermann-Francke-Schule bereits greifen müssen. Der christliche Schulträger unterrichtet in Detmold und Lemgo etwa 2.200 Schüler an Grund-, Haupt- und Gesamtschulen sowie in einem Gymnasium.