18. November 2017

Großmufti: Alle Kirchen auf Arabischer Halbinsel zerstören

Quelle: idea.de

Der Großmufti Saudi-Arabiens, Scheich Abdulasis bin Abdullah, beruft sich auf eine Weisung Mohammeds. Foto: PR

Der Großmufti Saudi-Arabiens, Scheich Abdulasis bin Abdullah, beruft sich auf eine Weisung Mohammeds. Foto: PR

Riad (idea) – Auf der Arabischen Halbinsel sollten alle Kirchen und christlichen Gemeinden zerstört werden. Dafür hat sich der Großmufti Saudi-Arabiens, Scheich Abdulasis bin Abdullah, in einem islamischen Rechtsgutachten ausgesprochen. Er gründet seine Forderung auf eine Weisung (Hadithe) des Propheten Mohammed (570-632). Dieser soll auf dem Sterbebett erklärt haben, dass es in Arabien keine zwei Religionen gleichzeitig geben dürfe.

Der Scheich, auch stellvertretender Justizminister Saudi-Arabiens, war von kuwaitischen Parlamentariern um das Rechtsgutachten (Fatwa) gebeten worden. Sie sind der Meinung, dass es in ihrem Emirat zu viele Kirchen gebe. Wenn die Forderung des Großmuftis umgesetzt würde, müssten insgesamt rund 1.300 Kirchen und christliche Gemeinden auf der Arabischen Halbinsel zerstört werden.

Saudi-Arabien: Strengstes islamisches Land

Saudi-Arabien gilt weltweit als das strengste islamische Land. Jedes christliche Symbol, der Kirchenbau sowie die öffentliche Ausübung des christlichen Glaubens sind verboten. Der sunnitische Islam ist Staatsreligion; ihm gehören 92 Prozent der 26 Millionen Einwohner an. Christen – fast ausschließlich Gastarbeiter – stellen 5,4 Prozent. Religionsstatistikern zufolge kommen sie in 170 Gemeinschaften zusammen. Zur Arabischen Halbinsel zählen ferner Jemen, Kuwait, Katar, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain.

Kirchenzentrum in Katar

Im Jemen sind fast alle 24,3 Millionen Einwohner Muslime. Die Zahl der fast ausschließlich ausländischen Christen wird auf knapp 20.000 in 29 Gemeinden geschätzt. Von den etwa drei Millionen Einwohnern Kuwaits sind etwa 82 Prozent Muslime und 14 Prozent Christen, überwiegend Ausländer. Ihnen stehen 165 Gemeinden zur Verfügung. Katar hat 1,5 Millionen Einwohner; davon sind 88 Prozent Muslime und sechs Prozent Christen, die sich in 91 Gemeinden versammeln. Dort besteht auch ein Kirchenzentrum für Katholiken, Anglikaner, Orthodoxe und Protestanten. Von den 2,9 Millionen Einwohnern Omans sind etwa 89 Prozent Muslime und 2,8 Prozent Christen mit 277 Gemeinden.

EKD-Auslandsgemeinde in Dubai

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben 4,7 Millionen Einwohner; davon sind 68 Prozent Muslime und neun Prozent Christen. Es bestehen 452 Kirchen und Gemeinden. In Dubai unterhält die EKD eine Auslandsgemeinde. Bahrain ist eine der Arabischen Halbinsel vorgelagerte Insel im Persischen Golf. Von den 807.000 Einwohnern sind 83 Prozent Muslime und knapp zehn Prozent Christen, denen 120 Gemeinden zur Verfügung stehen.