19. November 2017

Das Ende des Rechts auf Leben

Quelle: jungefreiheit.de

Neugeborenes: Medizinethiker haben eine neue Debatte über das Lebensrecht entfacht Foto: Pixelio/s.media

Neugeborenes: Medizinethiker haben eine neue Debatte über das Lebensrecht entfacht Foto: Pixelio/s.media

Von Dieter Stein

Helle Empörung hat ein Aufsatz von Medizinethikern in der Londoner Fachzeitschrift Journal of Medical Ethics hervorgerufen. Alberto Giubilini und Francesca Minerva erörtern dort die Frage, weshalb ungeborene Kinder zum Teil bis zur Geburt im Mutterleib getötet werden dürfen, außerhalb des Mutterleibes jedoch vom Gesetz geschützt sind.

In Deutschland kann aufgrund einer faktischen Fristenlösung („Beratungsschein“) bis zur zwölften Schwangerschaftswoche praktisch jedes Kind straffrei getötet werden, danach bei „medizinischer Indikation“ (beispielsweise Behinderung des Kindes) auch durch sogenannte „Spätabtreibungen“.

Die beiden Mediziner denken nur konsequent weiter, was durch den Dammbruch der faktischen Abtreibungslegalisierung moralisch ins Rutschen gekommen ist. Sie schreiben wörtlich am Schluß ihres Aufsatzes: „Jedenfalls wenn eine Erkrankung während der Schwangerschaft nicht erkannt wurde, wenn etwas während der Entbindung schieflief, oder wenn sich ökonomische, soziale oder psychologische Umstände geändert haben, so daß es zu einer Bürde wird, für das Kind weiter zu sorgen, dann sollte den Menschen die Chance gegeben werden, nicht zu etwas gezwungen zu werden, das sie sich nicht leisten können.“

Die Empörung ist verlogen

Jedem fünften Kind (einschließlich Dunkelziffer mutmaßlich jedem dritten) wird in Deutschland durch Abtreibung das Leben genommen. Das Statistische Bundesamt gibt mit trauriger Routine die offiziell gemeldete Zahl der Abtreibungen wieder: 2011 waren dies 109.000. 97 Prozent der Abtreibungen finden nach der „Schein“-Regelung statt. Die Zahl der Abtreibungen ist nur deshalb rückläufig, da die Gesamtzahl der Geburten ebenfalls sinkt – auch weil Mädchen, die heute Mütter sein könnten, in den siebziger und achtziger Jahren nicht gezeugt oder abgetrieben wurden.

Die Empörung über die Medizinethiker, die nun Babys auch nach der Geburt töten wollen, ist verlogen. Wir haben uns mit dem alltäglichen Massensterben von Kindern arrangiert, wir leben in einer „Kultur des Todes“ (Papst Benedikt XVI.), die im übrigen auch dem Menschen das Lebensrecht im hohen Alter beschneiden will. Es sind wenige, die dagegen öffentlich aufbegehren. Wie die 200 mutigen Menschen, die am vergangenen Wochenende in Münster für das Lebensrecht Ungeborener demonstrierten.

Sie mußten von einem massiven Polizeiaufgebot gegen militante Abtreibungsbefürworter geschützt werden. Und die Partei, die das „C“ im Namen trägt? Sie schweigt. Und hat soeben die Feministin Alice Schwarzer zur Wahlfrau für die Bundesversammlung bestimmt. Diese Frau rühmt sich, mit der Stern-Aktion „Wir haben abgetrieben“ entscheidend zum ethischen Dammbruch beigetragen zu haben. Und wird hierfür jetzt von der CDU geadelt.