19. November 2017

Bis 2050: Eine Bibelübersetzung in jeder Sprache

Quelle: idea.de

Wycliff Deutschland: Warum jedes Volk seine eigene Bibel braucht. Foto: Wycliff

Wycliff Deutschland: Warum jedes Volk seine eigene Bibel braucht. Foto: Wycliff

Burbach (idea) – Bis 2050 wird in jeder Sprache eine Bibelübersetzung vorliegen. Diese Prognose gab die Missionsleiterin von Wycliff Deutschland, Angelika Marsch (Burbach bei Siegen), in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Weltweit gibt es rund 6.800 Sprachen. Bisher haben etwa 340 Millionen Menschen, die 2.000 Sprachen sprechen, noch keine Bibel in ihrer Muttersprache. Marsch zufolge spricht eine in der Muttersprache verfasste Bibel mehr zu den Herzen der Leser als etwa eine englischsprachige Übersetzung. Die Bibel in einer fremden Sprache zu lesen, sei etwa so, als wenn man die Suppe mit der Gabel esse. Das Bibellesen in der eigenen Sprache werte Menschen auf.

Auch Hörbibeln und Filme im Angebot

Weil viele Völker durch eine mündliche Sprachkultur geprägt sind, erarbeite Wycliff mit einer Partnerorganisation auch zunehmend Hörbibeln. Diese gibt es derzeit in 632 Sprachen. Daneben nutze man auch Filme, die die Geschichte von Jesus Christus erzählen, so Marsch. Zudem bilde das Werk Bibelgeschichten-Erzähler aus. Gute Erfahrungen mache man auch damit, die Bibel durch Theater und Tanz zu erzählen. Marsch: „Es muss also nicht immer das Buch sein.“ Dennoch bleibe die Schulbildung, etwa das Lesen- und Schreibenlernen, zentral, weil es den Horizont erweitere: „Wer lesen kann, kann mehr mitbestimmen, etwa weil man bei Wahlen endlich versteht, worum es geht.“

Neues Testament hat Vorrang

Marsch zufolge hat sich das Werk bei der Bibelübersetzung zunächst auf das Neue Testament konzentriert. Inzwischen habe man jedoch erkannt, dass auch das Alte Testament wesentliche Fragen beantworte, etwa: Wo kommt der Mensch her? Wie ist das Böse in die Welt gekommen? Wie sollen wir mit Leid und Ungerechtigkeit umgehen? Nach Möglichkeit versuche man daher, die ganze Bibel zu übersetzen, so Marsch. Ziel sei es, zumindest eine Zusammenfassung des Alten Testaments anzubieten, etwa die ersten Kapitel des Buches Genesis, dazu einige Psalmen und Prophetenworte. Hilfreich seien dabei Computersprachprogramme, die eine erste Rohübersetzung anbieten. Diese müssten dann allerdings von Mitarbeitern gründlich überarbeitet werden, um sie in eine sprachlich angemessene Form zu bringen.

Wycliff ist in 70 Ländern im Einsatz

Die Organisation Wycliff ist nach dem englischen Theologen und Philosophen John Wycliff (1330-1384) benannt, der die Bibel ins Englische übersetzte. Das Werk ist mit mehr als 6.000 Mitarbeitern aus 70 Ländern im Einsatz. Sie arbeiten in 1.400 Sprachen auf allen Kontinenten. Für 457 Sprachgruppen liegt bereits die gesamte Heilige Schrift (Altes und Neues Testament) vor; 1.211 haben wenigstens eine eigene Ausgabe des Neuen Testaments. Bis heute haben Wycliff-Mitarbeiter an rund 700 fertiggestellten Bibelübersetzungen mitgearbeitet. Die Organisation ist in mehr als 90 Ländern tätig. Zu ihrer Tätigkeit gehören auch das Entwickeln von Schriftsprachen und die Organisation von Leseunterricht. Wycliff Deutschland mit Sitz in Burbach bei Siegen hat derzeit 160 Mitarbeiter in 35 Länder ausgesandt.