21. November 2017

Zum Tode verurteilter iranischer Pastor: Schicksal ungewiss

Quelle: idea.de

Der mit 19 Jahren zum Christentum bekehrte iranische Pastor Youcef Nadarkhani. Foto: PR

Der mit 19 Jahren zum Christentum bekehrte iranische Pastor Youcef Nadarkhani. Foto: PR

Berlin (idea) – Das Schicksal des wegen seines Glaubens zum Tode verurteilten iranischen Pastors Youcef Nadarkhani bleibt ungewiss. Dem früheren Muslim, der sich mit 19 Jahren zum Christentum bekehrte, droht unter anderem wegen „Abfalls vom Islam“ der Tod durch den Strang.

Vermutungen, dass die Exekution unmittelbar bevorstehe, haben sich bisher nicht bestätigt. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass der 34 Jahre alte Leiter einer evangelikalen Untergrundgemeinde noch am Leben ist. Nach Informationen des israelischen Nachrichtensenders Arutz Sheva (Kanal Sieben) sollte das Urteil am 28. Februar vollstreckt werden, doch sei die Hinrichtung auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Dies sei auch auf eine weitreichende internationale Protestwelle zurückzuführen. Die sofortige und bedingungslose Freilassung Nadarkhanis fordern unter anderen das Weiße Haus, US-Außenministerin Hillary Clinton, die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP).

Kauder: Nadarkhani freilassen und rehabilitieren

Der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder, hat die Appelle jetzt verstärkt. In einem Brief an den iranischen Botschafter Ali Reza Scheich Attar (Berlin) ruft er die Regierung der Islamischen Republik auf, von der Vollstreckung des Todesurteils abzusehen und den Geistlichen unverzüglich freizulassen. Kauder: „Die Verurteilung und Hinrichtung eines Menschen aufgrund seines Glaubens widerspricht den fundamentalen Grundsätzen der Menschenrechte und den iranischen Verfassungsvorschriften in eklatanter Weise.“ Er erwarte, dass Nadarkhani nach seiner Freilassung in einem rechtsstaatlichen Verfahren umfassend rehabilitiert werde. Kauder fordert den Botschafter auf, seinen Protest dem Staatspräsidenten zu übermitteln. Sollte der Iran das Recht auf Religionsfreiheit weiterhin verletzen, werde sich die Unionsfraktion und auch Kauder persönlich dafür einsetzen, dass dieses völkerrechtswidrige Verhalten öffentlich im Deutschen Bundestag angesprochen werde. Eine Hinrichtung Nadarkhanis werde man erst recht nicht hinnehmen.

Pastor schwört seinem Glauben nicht ab

Nadarkhani sitzt im Zentralgefängnis von Rascht ein. Er ist verheiratet und hat mit seiner Frau Fatemeh Pasandideh zwei Söhne im Alter von acht und sechs Jahren. Er war am 22. September 2010 wegen „Verbreitung nichtislamischer Lehre“ und „Abfall vom islamischen Glauben“ zum Tode verurteilt worden. Im Juli 2011 bestätigte das Oberste Gericht das Urteil. Nach internationalen Protesten wurde der Fall dem höchsten religiösen Führer und Rechtsgelehrten, Ajatollah Ali Khamenei, zur Begutachtung vorgelegt. Nadarkhani hat der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zufolge in der Todeszelle mindestens vier Angebote ausgeschlagen, dem christlichen Glauben abzuschwören, um sein Leben zu retten. Im Iran ist das islamische Religionsgesetz Scharia Grundlage der Rechtsprechung. Sie sieht die Todesstrafe für den „Abfall vom Islam“ vor.

Amnesty International: Zahl der Exekutionen dramatisch gestiegen

Nach Angaben der Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International ist die Zahl der Hinrichtungen im Iran im vergangenen Jahr dramatisch gestiegen. Es seien rund vier Mal so viele öffentliche Exekutionen durchgeführt worden wie im Vorjahr. Im Schnitt werde die Todesstrafe 50 Mal im Jahr vollstreckt. Nach Angaben des christlichen Hilfswerks Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main) sind im Iran mindestens 14 Christen aus Glaubensgründen in Haft. Drei seien im Februar gegen Kaution entlassen worden.

Exilpastorin: Viele Iraner sind enttäuscht vom Islam

Wie die in Frankfurt am Main im Exil lebende iranische Pastorin Mahim Mousapour dem Deutschlandfunk sagte, seien viele ihrer Landsleute enttäuscht vom Islam. Sie suchten eine persönliche Glaubensbeziehung zu Gott wie ein Kind zum Vater; dies sei durch Jesus Christus möglich. Der christliche Glaube werde im Iran vielfach im Geheimen ausgelebt. Von den 74,2 Millionen Einwohnern sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Konvertiten zum christlichen Glauben wird auf 250.000 geschätzt. Ferner gibt es bis zu 150.000 meist orthodoxe armenische und assyrische Christen.