20. August 2017

Protest gegen Hinrichtung eines iranischen Pastors wird schärfer

Quelle: idea.de

Washington, Brüssel und Berlin fordern Freilassung von Youcef Nadarkhani. Foto: PR

Washington, Brüssel und Berlin fordern Freilassung von Youcef Nadarkhani. Foto: PR

Washington/Brüssel/Berlin/Teheran (idea) – Im Iran soll ein evangelikaler Pastor wegen seines Glaubens hingerichtet werden. Dagegen wenden sich höchste politische Kreise der westlichen Welt.

Die umgehende Freilassung von Youcef Nadarkhani fordern unter anderen das Weiße Haus, US-Außenministerin Hillary Clinton, die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton (Brüssel) sowie der deutsche Außenminister Guido Westerwelle. Nadarkhani habe kein Verbrechen begangen, sondern lediglich sein Recht auf Religionsfreiheit wahrgenommen. Die Verurteilung und Hinrichtung einer Person aus Glaubensgründen verstoße sowohl gegen die Grundsätze der Menschenrechte wie auch gegen die völkerrechtlichen Verpflichtungen der Islamischen Republik Iran. In ihren Appellen zeigen sich die Politiker besorgt über Hinweise, dass Nadarkhani schon bald gehenkt werden könnte. Das vermuten mehrere Organisationen, darunter die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) mit Sitz in Frankfurt am Main, Christian Solidarity Worldwide (London) und das Amerikanische Zentrum für Recht und Gesetz (Washington). Für Nadarkhani haben sich bereits früher der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags, der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Markus Löning (FDP), sowie die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe eingesetzt.

Pastor schwört seinem Glauben nicht ab

Nadarkhani sitzt im Zentralgefängnis von Rascht ein. Der 35 Jahre alte Pastor einer rund 400 Mitglieder zählenden evangelikalen Untergrundgemeinde ist verheiratet und hat mit seiner Frau Fatemeh Pasandideh zwei Söhne im Alter von neun und sieben Jahren. Er war am 22. September 2010 wegen „Verbreitung nichtislamischer Lehre“ und „Abfall vom islamischen Glauben“ zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Das Urteil wurde im Juli 2011 vom Obersten Gericht bestätigt, aber bisher nicht vollstreckt. Nach einer internationalen Protestwelle wurde der Fall dem höchsten religiösen Führer und Rechtsgelehrten, Ayatollah Ali Khamenei, zur Begutachtung vorgelegt. Nadarkhani hat laut IGFM in der Todeszelle mindestens vier Angebote ausgeschlagen, dem christlichen Glauben abzuschwören, um sein Leben zu retten. Im Iran ist das islamische Religionsgesetz Scharia Grundlage der Rechtsprechung. Sie sieht die Todesstrafe für den „Abfall vom Islam“ vor. Von den 74,2 Millionen Einwohnern sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Konvertiten zum christlichen Glauben wird auf 250.000 geschätzt. Ferner gibt es bis zu 150.000 meist orthodoxe armenische und assyrische Christen.

Mahnwachen und Ostermarsch in Hamburg

Die IGFM hat mehr als 23.000 Unterschriften für Nadarkhanis Freilassung gesammelt. Doch der Iran scheine sich von der internationalen Welle der Empörung nicht beeindrucken zu lassen, teilte IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin mit. Auch ratifizierte völkerrechtlich bindende Abkommen ließen das Regime in Teheran kalt. Sollte Nadarkhani tatsächlich gehenkt werden, wäre dies – so Lessenthin – „nicht nur die erste Hinrichtung mit der offiziellen Begründung ‚Abfall vom Islam‘, sondern auch ein Schritt in das dunkle Mittelalter“. Seit September veranstaltet die Hamburger Ortsgruppe der IGFM unter anderem mit Unterstützung der örtlichen Evangelischen Allianz sonnabends Mahnwachen für Nadarkhani. Am 7. April ist ein Ostermarsch vom Hauptbahnhof über die Mönckebergstraße zum Rathausmarkt geplant.