19. Oktober 2017

Joachim Gauck wird ein guter Bundespräsident

Quelle: jungefreiheit.de

Joachim Gauck Foto: Wikipedia / J. Patrick Fischer

Joachim Gauck Foto: Wikipedia / J. Patrick Fischer

Von Dieter Stein

Der künftige Bundespräsident soll Joachim Gauck heißen. Nach dem übefälligen Rücktritt von Christian Wulff hat es nur 48 Stunden gedauert, bis sich die Spitzen der Parteien im Bundestag auf einen Nachfolger einigten. Die Unionsparteien hatten zunächst versucht, andere Kandidaten durchzusetzen, mußten sich jedoch einer erdrückenden Stimmungslage in Medien und Öffentlichkeit geschlagen geben, vor allem aber als am Sonntag die FDP abrückte und ins Lager der Gauck-Befürworter überlief.

Mit Joachim Gauck erwächst der Bundeskanzlerin ein ernstzunehmender Gegenspieler: Er kommt wie sie aus der DDR, hat im Unterschied zu ihr jedoch schon vor dem Mauerfall den Einsatz für die Freiheit gewagt und als Bürgerrechtler gegen die Dikatur gekämpft. Gauck erwarb sich als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde hohe Verdienste in der Aufarbeitung der SED-Diktatur. Er ist ein kluger Intellektueller, er ist keiner Partei verpflichtet, er ist eine integre Figur – und er ist ein glänzender Redner. Er wird kein Unterschriftenautomat und sich nicht auf Repräsentationspflichten reduzieren lassen: Wir werden mit ihm positive Überraschungen erleben!

Gauck lobte Sarrazin

Im Gegensatz zu den Worthülsen von der „bunten Republik“, mit denen Wulff die drängenden Probleme der Zuwanderung und Integration von Ausländern verharmloste, sind von Gauck nüchterne Äußerungen bekannt und er appellierte wiederholt an die Politik, die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen. Im Gegensatz zur Bundeskanzlerin, die Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ als „wenig hilfreich“ abgetan und seinen Sturz als Bundesbank-Vorstand betrieben hatte, attestierte Gauck Sarrazin ausdrücklich „Mut“ und erklärte in einem Pressegespräch: „Er hat über ein Problem, das in der Gesellschaft besteht, offener gesprochen als die Politik.“ Die politische Klasse könne aus dem Erfolg von Sarrazins Buch lernen, daß „ihre Sprache der politischen Korrektheit bei den Menschen das Gefühl weckt, daß die wirklichen Probleme verschleiert werden sollen“.

Der überfällige Rücktritt Wulffs und die Nominierung von Gauck als neuer Bundespräsident: Zwei gute politische Entscheidungen.