19. Oktober 2017

Christen in der Politik tun einem Land gut

Quelle: idea.de

Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl spricht bei Johann-Amos-Comenius-Club. Foto: idea/kairospress

Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl spricht bei Johann-Amos-Comenius-Club. Foto: idea/kairospress

Chemnitz (idea) – Wenn sich Christen politisch engagieren, dann tut das einem Land und einer Region gut. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher demokratischen Partei sie tätig sind.

Diese Ansicht vertrat der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl (Dresden), am 28. Februar beim Gesprächsforum des Johann-Amos-Comenius-Clubs Sachsen in Chemnitz. Bohl sprach zum Thema „Christ und Politik“. Sachsen gehe es im deutschlandweiten Vergleich heute auch deshalb so gut, weil nach der Friedlichen Revolution und der deutschen Wiedervereinigung zahlreiche Christen Verantwortung in der Politik übernommen hätten, so Bohl. Bis heute übersteige im Freistaat der Anteil der Christen in der Politik bei weitem dem an der Gesamtbevölkerung. Was Christen manchen anderen Politikern voraus hätten, sei ein festes Wertefundament, von dem her sie Entscheidungen träfen. Dazu gehöre für ihn beispielsweise der Einsatz für eine zurückhaltende Haushaltspolitik, in der Sachsen vorbildlich sei. Es entspreche schlicht christlichem Verantwortungsbewusstsein, künftigen Generationen nicht größere Lasten aufzubürden als diese tragen könnten, so der Bischof. Christen in politischer Verantwortung stünden für Nachhaltigkeit, weil sie sich nicht allein dem Wähler verantwortlich wüssten, sondern auch Gott.

Nicht jede mögliche Machtoption verfolgen

Oberstes Gebot für Christen in der Politik sollte es sein, das übertragene Amt als Dienst an der Gesellschaft zu verstehen, betonte er. Dazu sollte auch gehören, in Verantwortung vor Gott und den Menschen „nicht jede mögliche Machtoption zu verfolgen“. Als nach wie vor „hochaktuell“ bezeichnete Bohl Martin Luthers (1483-1546) Schrift „Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei“ von 1523. Darin mache der Reformator deutlich, dass Herrschende – ob damals Könige oder heute demokratisch gewählte Politiker – ihre Macht niemals zum eigenen Nutzen ausüben dürften. Vielmehr hätten sie sich als Diener des Landes und des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu verstehen.

Finanzierung von Abtreibungen durch Freistaat „ausgemachter Skandal“

Eine deutlichere Positionierung der Politik in Sachsen wünscht sich der Landesbischof beim Lebensschutz. Die Kirche streite für das Lebensrecht der Ungeborenen, auch wenn es Konfliktsituationen geben könne, in denen sich ein ethisches Urteil „von außen“ verbiete.

Für bedenklich halte er es aber, dass „der Geist unserer Zeit“ den Eindruck vermittle, dass Abtreibung legitim sei, erklärte Bohl und griff die Landesregierung scharf an: „Für einen ausgemachten Skandal halte ich es, dass nahezu alle Abtreibungen vom Freistaat finanziert werden.“ Das sei „verfassungsrechtlich zweifelhaft“, so Bohl, der dafür Applaus bekam.

Handlungsbedarf sehe er zudem beim Thema Gerechtigkeit. Armut sei auch in Deutschland eine „bedrückende Realität“. Wenn Gewinne der Finanzmärkte privatisiert, Verluste aber sozialisiert würden, dann erschüttere das das Vertrauen der Menschen ins System. Die „Bereicherungsmentalität in Teilen der Wirtschaftselite“ strapaziere den gesellschaftlichen Zusammenhalt sehr. Hier müsse das Primat der Politik über die Finanzmärkte zurückgewonnen werden. Der seit 1996 bestehende Johann-Amos-Comenius-Club Sachsen ist eine Veranstaltungsreihe der CDU-Fraktion des sächsischen Landtages, die viermal jährlich stattfindet.