15. Dezember 2017

Wann geht die Welt unter?

Quelle: idea.de

Foto: PR

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Berlin (idea) – Wird die Welt am 21. Dezember dieses Jahres untergehen? Das prophezeien esoterische Kreise unter Berufung auf den Maya-Kalender, der angeblich an diesem Tag enden soll. Unzählige Internetseiten, Bücher, CDs und DVDs verbreiten Untergangsstimmung.

Die Maya-Indianer leben in Mittelamerika. In Tapachula, an der mexikanischen Grenze zu Guatemala, zählt seit dem 21. Dezember 2011 eine rund 2,50 Meter hohe Digitaluhr die Stunden bis zum vermeintlichen Ende der Welt. Entwarnung gibt der Ethnologe Lars Frühsorge (Hamburg) im Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (Berlin). Der Maya-Kalender prophezeie keinen Weltuntergang. Zwar sei in Europa und Nordamerika in den letzten Jahren eine Flut von esoterischen und apokalyptischen Werken entstanden, die sich direkt oder indirekt auf die Maya beriefen. Doch diene diese Kultur als „reine Projektionsfläche für westliche Theorien, die bis in die Anfänge der New-Age-Bewegung und darüber hinaus zurückreichen“. Zum Hintergrund: Die Kultur der Maya entwickelte sich in einem Gebiet, das von der Halbinsel Yukatán im heutigen Mexiko über Guatemala und Belize bis nach El Salvador und Honduras reichte. Heute leben in diesen Regionen etwa sechs Millionen Maya. Als Blütezeit ihrer Kultur, zu der auch Mathematik und Astronomie gehörten, gilt die Zeit von um 250 bis 900 nach Christus.

Was die Maya glaubten

In dieser Zeit entwickelten die Maya eine Reihe von Kalendern. Jeden Tag verbanden sie mit einer Gottheit, die etwa für Krieg, Handel und Reisen zuständig war. In der sogenannten „Langen Zählung“ eines der Maya-Kalender entspricht der 21. Dezember 2012 dem Beginn einer neuen Periode (in der Zählung der Maya: 13.0.0.0.0 – in etwa vergleichbar mit dem Jahrtausendwechsel in unserem Kalender). Dieses Datum bezeichne zugleich den Tag 13.0.0.0.0 aus einer früheren Zeitrechnung, an dem die Welt erschaffen worden sein soll. Frühsorge zufolge glaubten die Maya, dass die Götter dabei mehrere Versuche machten. Weil die früheren Schöpfungen unvollkommen gewesen seien, seien sie durch Naturkatastrophen vernichtet worden. Mit dem Datum 13.0.0.0.0 sei der Kalender der Maya jedoch keinesfalls zu Ende, so Frühsorge. Vielmehr seien auch Maya-Inschriften gefunden worden, die beispielsweise auf das Jahr 4772 nach Christus hinweisen. Viele der heutigen Bücher, Filme und Fernsehserien mischten Maya-Vorstellungen mit Bibelpassagen, fernöstlichen Lehren, Nostradamus und Verschwörungstheorien. Bei nicht wenigen dieser Werke handle es sich um „reine Profitgier“, so Frühsorge. Ein Grund für den großen Einfluss dieser neuen Weltuntergangstheorie könnten auch die enttäuschten Hoffnungen bezüglich eines Weltendes zur letzten Jahrtausendwende gewesen sein. Inzwischen hätten auch die Maya selbst das „Phänomen 2012“ als lukrative Einnahmequelle entdeckt, etwa durch Tourismus, Vorträge und Horoskope.

NASA: 2012 geschieht nichts Schlimmes

Unterdessen hat auch die US-Raumfahrtbehörde NASA einem Weltuntergang am 21. Dezember eine Absage erteilt. „Der Erde wird 2012 nichts Schlimmes passieren“, heißt es in einer Stellungnahme. Am 21. Dezember sei weder ein verheerender Meteoriteneinschlag, noch ein gigantischer Sonnensturm oder eine Umkehr der Erdrotation zu erwarten. „Genau wie unser Kalender am 31. Dezember nicht aufhört zu bestehen, tut der Maya-Kalender dies nicht am 21. Dezember 2012. Dieser Tag beendet nur eine lange Zählung des Maya-Kalenders. Anschließend beginnt – genau wie unser Kalender am 1. Januar neu startet – einfach eine weitere lange Zählung.“

Auch der Papst und Luther irrten

In der Geschichte der Kirche hatten sich Christen wiederholt auf ein Datum für das Weltende festgelegt. So kündigte Papst Sylvester II. (um 950-1003) den Weltuntergang für Mitternacht des 31. Dezember 999 an. Auch der Reformator Martin Luther (1483-1546) irrte: Er hatte dreimal den Untergang der Welt vorausgesagt: zunächst für das Jahr 1532, dann für 1538, schließlich für 1541. Die Zeugen Jehovas legten sich ebenfalls mehrfach auf den bevorstehenden Weltuntergang fest: Zunächst sollte er 1874, dann 1914 stattfinden. Zuletzt sorgte der US-Radioevangelist Harold Camping für Aufsehen. Nachdem er das Ende der Welt bereits für 1994 prophezeit hatte, legte er 2011 nach: Zuerst sagte er den Weltuntergang für den 21. Mai an, dann nannte er den 21. Oktober.

Die Bibel nennt „weder Tag noch Stunde“

In der Bibel spricht Jesus Christus wiederholt vom Ende der Welt. Als Zeichen der Endzeit nennt er Kriege und Kriegsgerüchte, Hungersnöte und Erdbeben, Christenverfolgung und das Auftreten von falschen Propheten (Matthäus 5, 24,5-11). Jesus ruft seine Nachfolger daher zur Wachsamkeit auf. Zugleich warnt er davor, sich auf ein Datum festzulegen: „Von dem Tag aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. … Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt!“ (Matthäus 24,36.42).

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