15. Dezember 2017

Ist der Kapitalismus am Ende?

Quelle: idea.de

Foto: Gerd Altmann/dezignus.com/pixelio.de

Foto: Gerd Altmann/dezignus.com/pixelio.de

Wetzlar (idea) – Ist der Kapitalismus am Ende? Das fragen sich immer mehr Bürger angesichts der internationalen Banken- und Verschuldungskrise. Die Kritiker bekamen neue Nahrung – ausgerechnet bei der wohl bekanntesten Kapitalismus-Bühne, dem Weltwirtschaftsforum in Davos (Schweiz). Dessen Gründer und Präsident, der Deutsche Klaus Schwab (Cologny bei Genf), eröffnete das diesjährige Forum vom 25. bis 29. Januar mit der These, der Kapitalismus in seiner aktuellen Form passe nicht zu der Welt, in der wir leben. Darauf antwortet der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Alexander Schumann (Berlin), in einem Beitrag für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Nach seinen Worten ist Kritik am Kapitalismus so alt wie dieses Wirtschaftssystem selbst: „Und nicht zu Unrecht, denn seine Geschichte zeigt, dass Menschen Freiheit, Eigentum und Wettbewerb – die kapitalistischen Grundbausteine – immer wieder mit negativen Konsequenzen einsetzen.“ Von der Finanzkrise 2008/2009 bis zu den Schuldenturbulenzen in der Eurozone und den USA merke man deutlich, „dass Wirtschaftswachstum oft zu sorglos auf Pump finanziert wurde“.

„Den Kapitalismus“ gibt es nicht

Zu Schwabs These, der Kapitalismus in seiner aktuellen Form passe nicht mehr in die heutige Welt, schreibt Schumann, dadurch entstehe der Eindruck, als gebe es weltweit eine einzige Form von Kapitalismus: „Das ist falsch. Gerade in Deutschland wurde mit der Sozialen Marktwirtschaft ein System geschaffen, das wirtschaftliche Freiheit mit sozialem Ausgleich erfolgreich verbindet.“ Schumann verweist auf den geistigen Vater der Sozialen Marktwirtschaft, Alfred Müller-Armack (1901-1978). Für ihn sei klar gewesen, dass der Kapitalismus wirksam an gesellschaftliche und soziale Werte gebunden werden muss, um Fehlentwicklungen zu verhindern.

Wie wirtschaftlicher Erfolg im Kapitalismus gut wird

Die Soziale Marktwirtschaft habe über die katholische Soziallehre und die protestantische Sozialethik bewusst christliche Wurzeln, so Schumann. Nach seiner Ansicht passt ein Kapitalismus in dieser wertgebundenen Form „sogar sehr gut in die Welt, in der wir leben“. Das belege die wirtschaftliche Praxis in Deutschland: 53 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 79 Prozent der Arbeitsplätze, 82 Prozent aller Ausbildungsplätze und sogar 98 Prozent der Exporte würden „mit vielen klugen Produkt- und Serviceideen vom sogenannten Mittelstand geschaffen“. Das seien Unternehmer, die sich für ihre Belegschaft, für ihre Städte und auch für ihr Land verantwortlich fühlten. Schumanns Fazit: „Wirtschaftlicher Erfolg im Kapitalismus wird gut, wenn Freiheit, Eigentum und Wettbewerb eingebunden sind in die Werte, die uns auch sonst im Alltag leiten und begleiten sollten.“